Stadtrand Urbanismus

Praterstern: Ein Jahr Oberflächenkosmetik

Stadtleben, FALTER 17/19 vom 24.04.2019

Ja, am Praterstern sieht es jetzt manierlicher aus. Denn das genau vor einem Jahr in Kraft getretene Alkoholverbot zeigt Wirkung: In stinkenden Lachen ihren Rausch ausschlafende Figuren sieht man dort mittlerweile kaum. Auch von bierdosen-oder schnapsflaschenschwenkenden Torklern wird man nicht mehr angepöbelt: Die 2038 Anzeigen, 207 Organmandate, 1651 Abmahnungen und 181 Beschlagnahmen des letzten Jahres haben also etwas bewirkt. Der Praterstern ist "sicherer" geworden. Subjektiv: Was viele störte oder ängstigte, ist weg.

Aber ist es das wirklich? Nur weil man etwas nicht sieht, hört es ja nicht auf zu existieren. Die Trankler, die Sandler, die Pöbler haben sich nicht dematerialisiert, sie sind lediglich woanders. Prompt wünscht sich Floridsdorf ein Alkverbot am "Spitz", die FPÖ will den Franz-Josefs-Bahnhof zur No-Sauf-Zone machen - und vor dem Riesenrad soll eine "Hausordnung" das Lungern und Trinken unterbinden.

Aus der reinen Vor-Ort-Perspektive ist das nachvollziehbar. Nur löst Kosmetik halt keine Probleme. Das weiß jeder Teenager: Pickel, die man ständig bloß überschminkt, entzünden sich nämlich irgendwann.

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FALTER 26/19
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