Am Apparat Telefonkolumne

Wofür setzt die Polizei Gesichtserkennung ein, Herr Kriegs-Au?


Anruf: Anna Goldenberg

Politik, FALTER 17/19 vom 24.04.2019

Ab Spätherbst wird das Bundeskriminalamt die biometrische Gesichtsfeldanalyse als Beweismethode bei Verbrechen anwenden - ein Schritt Richtung Überwachungsstaat oder eine notwendige technische Neuerung, um Ermittlungen zu verbessern? Vincenz Kriegs-Au, Sprecher des Bundeskriminalamts, verteidigt die Anschaffung.

Herr Kriegs-Au, wie genau funktioniert die Gesichtserkennung?

Die Bilder von Überwachungskameras von öffentlichen Orten werden mit unserer Referenzdatenbank abgeglichen. Leute rufen mich entsetzt an, weil sie glauben, dass die Software bei Kameras mitläuft, um die Gesichtsfelder zu analysieren. Das wäre Überwachungsstaat, das dürfen und wollen wir nicht.

Welche Verbrechen sollen so aufgeklärt werden?

Es muss eine gerichtlich strafbare Vorsatztat sein. Wenn ich mit dem Auto einen Unfall habe und jemanden verletze, wäre das eine fahrlässige Körperverletzung. Dann greift es nicht. Ein Raubüberfall in einer Tankstelle oder in einer Bank, da wollen wir es einsetzen. Wir fragen, ob man die Videos haben kann. Dann wird geschaut, ob das Gesicht der unbekannten Täter zu sehen ist. Das vergleichen wir dann mit unserer Referenzdatenbank, in der sich erkennungsdienstlich behandelte Kriminelle befinden. Wenn wir einen Treffer bekommen, heißt das noch nicht, dass es der Täter ist. Es ist ein Ermittlungsansatz.

Wer stellt eigentlich die Software her?

Wir wollen keine Werbung für große Softwareanbieter machen, deshalb nenne ich keine Namen.

Wie stellen Sie sicher, dass solche Befugnisse dann nicht anders benutzt werden, etwa um Verbrechen vorherzusagen?

Das ist rechtlich nicht gedeckt und würde technisch nicht funktionieren. Das ist nicht wie bei "CSI", wo jemand mit einem Scanner über das Gesicht geht, und schon ist der Mörder da. Gesetzt den Fall, dass das mitlaufen würde, muss immer eine Person dahinter sein, die sich das ansieht. Die Ressourcen haben wir nicht.

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FALTER 21/19
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