Das Hochamt der Wagnerianer

Die Zeit vor Ostern ist die des Leidens und des Verzichts. Vierdreiviertel Stunden "Parsifal" in der Oper eignen sich ganz gut dafür


Reportage: Lukas Matzinger

Feuilleton, FALTER 17/19 vom 24.04.2019

Die wichtigste Antwort zuerst: Vier Stunden und 50 Minuten hat es gedauert, inklusive Pausen und Applausen. Von 17.30 bis 22.20 Uhr war die Staatsoper von Wagnerianern besiedelt. Sie sitzen hier, als wäre es die Pflicht der Glaubensgemeinde.

In der Staatsoper hat zu Ostern Richard Wagner Saison. Der deutsche Komponist ist für seine ausführlichen Musikdramen bekannt, seine letzte Oper nannte er "Parsifal".

Die Titelfigur soll einen besonderen Speer finden, küsst Kundry, heilt den verwundeten Amfortas und wird zum König des heiligen Grals. Diese Handlung erstreckt sich über drei Aufzüge und noch mehr Stunden. Die Themen sind Mitleid und Erlösung, begonnen hat der heurige Wiener Parsifal-Reigen am Gründonnerstag. Ein Hochamt für Wagnerianer.

Vor dem Aufführungsbeginn hat eine Frau "mit Jakob gefrühstückt, du weißt, der Musikersohn. Er hat den 'Tristan' schon 16 Mal gesehen." Geübte Zuhörer befolgen ein strenges Apostolat: Wer die erste Pause beklatscht, hat sich schon verraten.

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