Kunst Kritik

Von der Werft: Monumente der Hackler

NS
Lexikon, FALTER 17/19 vom 24.04.2019

Die Fotografie, die als Sujet für Katharina Gruzeis Ausstellung "Bodies of Work" in der Charim Galerie dient, lässt ratlos zurück. Was hat es mit diesen metallisch schimmernden Kanten auf sich? Welche Materie kräuselt sich da und glänzt wie Glitter? Die Assoziationen gehen eher in Richtung Design oder Disco als zu jener Industriesparte, die von der 1983 geborenen Künstlerin ins Visier genommen wurde. Ihre großformatig gezeigten Aufnahmen sind in der Linzer Donauschiffswerft entstanden, wo heute noch Fähren gebaut werden.

Es gehört zur Dramaturgie der Schau, dass anfangs wenig auf Schifffahrt hindeutet. Lediglich die Nahaufnahme von Händen und einem ankerförmigen Schlüsselanhänger weist die Richtung. Gruzeis Fotoserie pendelt zwischen Dokumentation, Erzählung und Abstraktion. So richtet sie mal den Blick von oben auf die Werkshalle, wo ein Schiff Gestalt annimmt; dann wieder hält sie einen Arbeiter fest, der mit seinem Sauerstoffhelm einem Astronauten gleicht. Referenzen an die Raumfahrt ziehen sich durch "Bodies of Work". Dann wieder wirken Fotos wie abstrakte Malerei, etwa von Spiegelungen auf ölschlierigen Wasserlachen.

Gruzeis Zugang erinnert an den Fotoessayisten Allan Sekula, dessen Abgesang auf die Schifffahrt 2017 bei TBA21 im Augarten zu sehen war. Gruzeis Aufnahmen sind aber noch stiller und konzentrierter. Man merkt, dass sie selbst in den von ihr porträtierten Kosmos eingetaucht ist und mit ikonenhaften Bildern der Arbeiterschaft ein Denkmal setzen möchte. Einem Monument der Filmgeschichte nähert sich Gruzeis Video "Die ArbeiterInnen verlassen die Fabrik" an. Eine Lichtinstallation in der leerstehenden Linzer Tabakfabrik dient als Schauplatz und als Rhythmus dieser Hommage, die sie dem 1895 entstandenen Streifen der Filmpioniere Lumière widmet.

Charim Galerie, bis 11.5.

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FALTER 21/19
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