Zeit am Schirm


Matthias Dusini

Medien, FALTER 18/19 vom 02.05.2019

Gewinner bejubeln, Verlierer verhöhnen. Die ORF-Sendung "Dancing Stars" folgt dem Muster psychohygienischer Triebabfuhr, mit dem Castingshows die Nachfrage nach harmlosen Erniedrigungsritualen befriedigen. Auch die Dramaturgie bleibt konventionell. Konflikte zwischen Kandidaten oder zwischen Kandidaten und der Jury kennt man etwa aus "GNTM". Den Juroren kommt dabei die Rolle eines Über-Ichs zu, das die zur Schau gestellten Leidenschaften in einen zivilisatorischen Rahmen zwängt.

Was ist dann das Besondere an "Dancing Stars"? Vielleicht ist es die Simulation von Perfektion durch Laien, die an der Seite von Profis zu Meistertänzern mutieren. Ähnlich wie in Kochshows Topfdilettanten zu Meisterköchen aufsteigen. Oder gewöhnliche junge Frauen sich an erfolgreichen Models wie Heidi Klum messen. Man könnte es auch umdrehen und sagen: Die Amateure erden die künstliche Welt der Stars. Erst durch die Stolperer der ungelenken Eleven wird die lächerliche Virtuosität der Tangound Cha-Cha-Cha-Weltmeister mit ihrem stählernen Kampflächeln konsumierbar.

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FALTER 24/19
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