Wenn der Wunsch zum Wahn und zur Wahrheit wird

Fiktion und Wahn amalgamieren nicht nur in den sozialen Medien von heute, wie Herbert Kapfer eindrucksvoll in seiner Textcollage zeigt

Rezension: Rudolf Walther
Politik, FALTER 18/19 vom 02.05.2019

1919. Fiktion" ist kein Roman, sondern eine Textcollage, die der Hörspielredakteur Herbert Kapfer zusammengestellt hat. Was sich unter dem harmlosen Titel mit den zwischen 1919 und 1938 publizierten Texten von zwei Dutzend Autoren präsentiert, ist beachtlich. In den zum Teil fiktionalen, zum Teil dokumentarischen Texten werden Erfahrungen, die Soldaten und Offiziere im Ersten Weltkrieg machten, psychisch verarbeitet und politisch reflektiert.

In der Alltagssprache in Frankreich und England heißt der Erste Weltkrieg bis heute "La Grande Guerre" bzw. "The Great War". In den Texten rechter, linker und liberaler Autoren verbinden sich die Erfahrungen im Krieg mit Fiktionen und Fantasien bis hin zum Wahn. Der Krieg endete 1918, aber in den Köpfen wucherte er weiter.

Selbst Zivilisten lebten fortan in einer Welt voller Fiktionen, wie die Todesanzeige vom 8.1.1919 von Eltern für ihren gefallenen Sohn belegt: "Mit Begeisterung hat er 4 ½ Jahre für sein Vaterland gekämpft, dessen selbstverschuldeter

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