Die Pointe kommt gleich

Der Kabarettist Christoph Fritz ist Österreichs größtes Satire-Talent. Eine Reise zu den Quellen seines Humors


BEGEGNUNG: STEFANIE PANZENBÖCK

Feuilleton, FALTER 19/19 vom 08.05.2019


Foto: Christopher Mavrič

Der Zug kommt um 12.05 Uhr. Christoph Fritz geht die Treppe zum Bahnsteig 4 hinunter, ein paar Minuten später fährt die S-Bahn in den Bahnhof Wien Mitte Landstraße ein, die ihn in seinen Heimatort Hausleiten, 45 Minuten von hier, bringen wird. Es ist der 1. Mai und nur wenige Menschen steigen in die alten Waggons, deren Fenster man noch herunterschieben kann. Fritz trägt Jeans, ein blaues Hemd, graues T-Shirt, eine schwarze Jacke, graubraune Schuhe. Seine Haare sind blond und kurz, sein Blick hinter der Brille ist sehr ernst, das Gesicht schmal. Den Tag der Arbeit auf dem Wiener Rathausplatz zu verbringen fällt ihm nicht ein. „Menschenmassen mag ich nicht so gern. Oder brauch ich nicht unbedingt“, sagt er und lacht kurz auf.

Der 24-jährige Kabarettist Christoph Fritz präsentierte im Jänner 2018 sein erstes Programm, „Das Jüngste Gesicht“, mittlerweile gilt er als Österreichs bedeutendster Satire-Nachwuchskünstler. Am kommenden Freitag wird er im Stadtsaal vor über 400 Menschen auftreten. Der Abend ist bereits ausverkauft. In Österreich, einem an erfolgreichen Kabarettisten nicht gerade armen Land, ist das ein Meilenstein. Erreicht man ihn in so kurzer Zeit wie Fritz, kann man guten Gewissens von einer Sensation sprechen.

Hausleiten, eine Gemeinde im Südwesten des Weinveiertels, hat seit Fritz’ Programm einen fiktiven Zwilling: Kleinschramming am Winzling. Ein „relativ unbedeutender Ort, in dem der Zug nur so ca. einmal im Jahr hält, und das auch nur, weil sich jemand auf die Geleise haut. Oder geworfen wird. Da gehen die Meinungen auseinander“. So erzählt Fritz die Geschichte auf der Bühne. „Nach Kleinschramming am Winzling gelangt man, indem man Richtung Nordwesten, Stockerau, fährt, exakt zwischen dem zweiten und dritten Kinderschänder links abbiegt.“ Irgendwann müsse man nur noch so lange fahren, „bis der Tank leer ist und das Leben keinen Sinn mehr hat. Genau dort wurde ich geboren.“

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