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IT-Kolumne


ANNA GOLDENBERG

Medien, FALTER 19/19 vom 08.05.2019

Kurz vor dem israelischen Holocaust-Gedenktag am 2. Mai ging ein Instagram-Account viral. In aufwendig produzierten Kurzfilmchen wird die wahre Geschichte der ungarischen Jüdin Eva Heyman erzählt, die mit 13 Jahren in Auschwitz ermordet wurde. Basierend auf Tagebuchaufzeichnungen erzählt Eva selbst und zeigt ihr Leben, komplett mit Kussmund, Emojis und SS-Offizieren.

Ein israelischer Unternehmer steht hinter dem Projekt, er hat mehrere Millionen Euro investiert. Die Darsteller sprechen Englisch mit ungarischem Akzent und spielen so übertrieben, dass auch die Zielgruppe, also Teenager mit durch Social Media geschädigte Aufmerksamkeitsspanne, mitbekommen, wie furchtbar die Geschehnisse sind. Das Warum kommt dabei etwas zu kurz. Man fühlt sich beim Ansehen unwohl. Ist es Voyeurismus oder peinliche Berührtheit ob des Kitsches? Seltsam mutet auch an, dass Eva weit und breit die Einzige zu sein schien, die mitfilmte. Was wäre anders gewesen, hätte es damals Internet gegeben? Das wäre doch einmal eine Frage für die Jugend.

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FALTER 24/19
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