Zeit am Schirm

TV-Kolumne


MATTHIAS DUSINI

Medien, FALTER 19/19 vom 08.05.2019

Sexuelle Belästigung wird in der Filmwelt mit dem Tod bestraft. Nachdem bekannt geworden war, dass Kevin Spacey bei Kollegen aufdringlich geworden war, gab die TV-Firma Netflix bekannt, dass der von ihm gespielte US-Präsident Francis Underwood sterben muss. Die sechste und letzte Staffel von "House of Cards", die nun auch in Österreich zu sehen ist, findet ohne den schillernden Bösewicht statt.

Nun füllt seine zur Präsidentin aufgestiegene Gattin Claire die Rolle der skrupellosen Machtpolitikerin aus. Die Schauspielerin Robin Wright beherrscht das eiskalte Spiel zwar ausgezeichnet, doch das Verschwinden von Spacey reißt ein gewaltiges Loch in die Dramaturgie. Aus der Ästhetik des Absolutismus übernahmen die Serienmacher das Prinzip der Symmetrie. So wie die Säulen des Weißen Hauses stehen die Möbel und das Geschirr in Reih und Glied. Die Kameraeinstellungen zielen auf spiegelbildliche Gleichheit ab, in der Mitte thront das Präsidentenpaar. Vielleicht zeigt sich Hollywood gnädig und lässt Frank von den Toten auferstehen. Damit das Bild wieder stimmt.

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FALTER 24/19
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