Buch der Stunde

Wie kann man über Heimat nachdenken?

THOMAS WALACH
Feuilleton, FALTER 20/19 vom 15.05.2019

Anywheres" werden Menschen genannt, die nirgendwo und deswegen überall zu Hause sind, also Kosmopoliten, "Somewheres" diejenigen, die irgendwo hängen geblieben sind, in den Ghettos der Vororte oder der Trostlosigkeit der Provinz. Daneben gibt es dann noch jene, die gerne daheim blieben, aber nicht können, weil sie auf der Flucht vor Verfolgung oder Perspektivlosigkeit sind.

Für Rainer Gross, Psychiater, Psychoanalytiker und Vorkämpfer der Antipsychiatriebewegung, ist Heimat nicht in erster Linie ein Ort, sondern eine Haltung und eine Gemengelage von Gefühlen. Heimat trägt man im Hirn -frei nach Tom Waits' "Anywhere I'm gonna lay my head (I'm gonna call my home)". Gross verortet sie im psychodynamischen "Spannungsfeld zwischen Herkunft und Ankunft, vorgegebener Biografie und veränderbarer". Der Heimatbegriff werde dadurch zum "Assoziationsgenerator" und zum "politisch umkämpften Konzept".

Gross' Buch "Heimat" fungiert selbst als Assoziationsgenerator. Das liegt nicht etwa daran, dass

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