Ohren auf Singing Ladies

Gecovert okay bis banal. Bleiben wir beim Original!


KLAUS NÜCHTERN

Feuilleton, FALTER 20/19 vom 15.05.2019

Kaum zu glauben, aber die größte Singer-Songwriterin der Gegenwart, Joni Mitchell, hat im November 2018 ihren 75. Geburtstag begangen. Aus diesem Anlass hat man ihr in Los Angeles eine Gala ausgerichtet, die nun als "The Music Center Presents Joni 75. A Birthday Celebration" (Decca) auf CD erschienen ist. Kaputtmachen kann man Mitchells Songs nicht wirklich, aber Chaka Khan müht sich redlich. Ihre komplett übersteuerte Version von "Help Me" ist ein Fall für die Notambulanz. Kris Kristoffersons Auftritt kann man unter "sympathische Altersunverfrorenheit" verbuchen; Rufus Wainwrights jammriges Pathos harmoniert besser mit "All I Want" als mit "Blue"; Norah Jones macht einen professionellen Job, Diana Krall ihre Sache gut. Und natürlich ist es rührend, wenn das Publikum den Refrain von Graham Nashs Eigenheimkitschhymne "Our House" singt.

Textlich sind die sieben Songs von Norah Jones auf "Begin Again" (Blue Note) extraflach geraten -"I am strong /I am human /I will listen /I can think /I will love" usw., usf. Die musikalische Umsetzung muss, obgleich Könner wie Brian Blade (dr) am Werk sind, als "kongenial" bezeichnet werden. Mehr gibt das Material aber auch nicht her. Unglaublich, wie lang 29 Minuten werden können.

Die schwedische Sängerin Rigmor Gustafsson war nicht nach L.A. geladen worden, hat aber Mitchells "Big Yellow Taxi", das dort zum Abschluss kollektiv vergeigt wurde, an den Beginn ihres Albums "Come Home" (Act) gestellt und entledigt sich der Sache mit Anstand. Selbiges gilt auch für Kate Bushs "Wuthering Heights" und Tanika Tikarams "Twist in My Sobriety". Neben diesem willkürlich zusammengewürfelten und nicht eben rasend originell aufbereiteten Greatest-Hits-Recycling wirken die eigenen Songs der an sich leichtfüßig und charmant agierenden Sängerin aber gleich noch ein bisschen konventioneller und betulicher, als sie ohnedies sind.

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FALTER 24/19
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