Die Entzauberung Europas

Was, wenn der europäische Gründungsmythos grundfalsch ist? Der amerikanische Historiker Timothy Snyder wagt eine Gegendarstellung


REPORTAGE: EVA KONZETT

Feuilleton, FALTER 20/19 vom 15.05.2019

Timothy Snyder spricht, und 500 Menschen auf dem Juden platz halten inne. Eingerahmt von den kalten Konturen des Mahnmals für die österreichischen Opfer der Schoah steht der Yale-Professor in schwarzem Anzug da. Vergessen die schönen Bürgerhäuserfassaden, die den Platz eingrenzen. Sogar die klackernden Fiakerhufe hört man dumpf auf der Wipplingerstraße, so leise ist es. Im Rahmen der Wiener Festwochen ist Snyder gekommen, die Erste Stiftung und das Institut für die Wissenschaften vom Menschen haben die Rede organisiert. Um Europa soll es gehen. Und Snyder erzählt eine Geschichte, wie wir sie noch nie gehört haben.

Denn: Mit dem gängigen Narrativ eines pazifistischen Projekts, das in den Trümmern nach 1945 entstanden sei, mache sich die EU unnötig schwach, werde sich ihrer Vergangenheit und ihrer Verantwortung nicht bewusst, sagt Snyder. Die Welt hoffe auf Europa. Und Europa schaue weg.

Darf man das? Ausgerechnet hier, wo im Mittelalter die Wiener Juden wohnten? Wo heute der Ermordeten

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