Neue Bücher Ceaușescu und Tito

Dominika Meindl
Feuilleton, FALTER 21/19 vom 22.05.2019

Der alternde Schauspieler Bogdan musste einst vor Ceaușescus Schergen fliehen, während der Geheimdienstmann Traian den Sturz des rumänischen Diktators unbeschadet überstanden hat und zum stinkreichen Oligarchen geworden ist. Als Bogdans Vertrag am Theater nicht verlängert wird, baut ihn Traian als schmierigen Showmaster und B-Promi auf, bevor er ihn für eine obskure Reality-Show durch Italien hetzt. Am Gardasee muss er eine Szene spielen, die wie eine schlechte Kopie der Aktion wirkt, bei der Valie Export an einer Hundeleine Peter Weibel hinter sich herzog.

Vom Überwachungsterror der rumänischen Securitate ist es nicht weit zum Terror der Unterhaltungsindustrie. 30 Jahre nach dem Fall der rumänischen Diktatur hat Ursula Wiegele einen Roman über Korruption und Kooperation geschrieben, an dem nur seine etwas zu große Zahl an Themen und Schauplätzen zu kritisieren ist.

Ivan Ivanji, der Auschwitz und Buchenwald überlebt, als Diplomat und Übersetzer Titos gearbeitet und nie an Pension gedacht hat, ist 90 geworden. Der Protagonist seines jüngsten Romans, der säkuläre Jude Moritz Karpaty, erinnert an Ivanjis Großvater.

In der Fiktion verlässt der praktische Arzt 1939, kurz vor seinem 80er, zum ersten Mal das Banat und gewinnt in Monte Carlo sensationell im Casino. Karpaty beschließt, erst wieder nach Jugoslawien heimzukehren, wenn das Geld verpulvert ist. So ahmt er das mondäne Leben nach, darf sogar noch amouröse Frühlingsgefühle entwickeln, aber die Schlinge zieht sich immer enger um das neutrale (und am Ende schmählich agierende) Monaco. Ivanji macht Karpaty ein letztes Geschenk: Die Stunde seines Todes bestimmt er selbst. Anders als in "Tod in Venedig", den man mit Titel und Schauplatz assoziieren mag, ist der schlanke Roman eine Geschichte über das Bewahren von Würde. DM

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FALTER 24/19
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