Schottenfeld liegt bei Tel Aviv

Der israelische Starkoch Eyal Shani hat jetzt noch ein Lokal in Wien


Lokalkritik: Florian Holzer

Stadtleben, FALTER 21/19 vom 22.05.2019


Foto: Heribert Corn

Als Ende 2015 gleich hinterm Stephansdom das Miznon aufmachte, brauchte es schon viel Optimismus, um an dessen Erfolg zu glauben: Junge Menschen aus Israel, die gefüllte Fladenbrote machen und deinen Namen brüllen, wenn sie damit fertig sind. Und dazu Getränke zum Selbernehmen. Aber erstens sind diese Fladenbrote unglaublich gut, zweitens erlebte das Icon-Gericht des Miznon, ein im Ofen gebackener Karfiol, einen Siegeszug um die ganze Welt und drittens ist sowieso alles, was irgendwie mit Tel Aviv zu tun hat, gerade ganz irrsinnig mega und vorne und Insta.

Und das Miznon hat viel mit Tel Aviv zu tun, dort entwickelte es der israelische Starkoch Eyal Shani nämlich als dritte Schiene unter seinem Gourmetrestaurant HaSalon und dem Szenelokal Tzfon Abraxas. Mittlerweile gibt’s Miznon außer in Tel Aviv und Wien schon in Paris, Melbourne und New York und überall brummt es wie Sau.

Und nun geht es an die Vervielfältigung des Tzfon Abraxas/North Abraxas, nachdem die junge holländische Hotelkette Max Brown Eyal Shani damit beauftragte, die soeben eröffnete Filiale in der Wiener Schottenfeldgasse mit einem Restaurant auszustatten.

Auf den ersten Blick wirkt das Seven North nicht besonders außergewöhnlich. Viel altes Holz, viel Verfliesung, Zementkacheln, Industrielampen, zentrale Bar, offene Küche, DJ-Pult, Second-Hand-Mobiliar – so wie mittlerweile jede einigermaßen zeitgemäße Skihütte in Ischgl aussieht und jedes Restaurant einer Hotelkette mit „jugendlicher“ Attitüde auf der ganzen Welt, Mainstream-shabby. Die Weine auf der Karte sind Standard, das Bier kommt von Ottakringer, da hat man nicht das Gefühl, dass die gastronomische Welt jetzt unbedingt ganz neu erfunden werden will.

Nur: Die kochen in dem Seven North einfach wahnsinnig gut. Die Karte war in der Soft-Opening-Phase vorige Woche noch recht klein, und vielleicht erwartet man sich, wenn man „fresh salad from the old city of Jeruzalem“ liest, auch ein bisschen mehr als ein Schüsselchen mit ganz klein gehackten Tomaten, Gurken, Zwiebeln und Petersilie. Nur ist das in seiner Schlichtheit kaum zu toppen (€ 10,–). Gut, bei Artischocke & Aioli hätte es vielleicht ein wenig raffinierter sein können als eine gekochte Artischocke mit Aioli, aber die Knoblauch-Mayonnaise war super und die Blätter der Distelfrucht gaben auch ordentlich was her (€ 8,50). Begeisternd wurde es spätestens bei der Hühnerleber mit Tahine, Erdäpfeln und Frühlingszwiebel – stark geröstete Leber und Erdäpfel, viel Pfeffer, umschmeichelt von der Sesamsauce, habe noch nie bessere Hühnerleber gegessen (€ 12,50). Die Portionen sind übrigens nicht sehr groß und ein gewisses Niveau an hektischem Chaos gehört bei Eyal Shanis Lokalen einfach zur Corporate Identity. Wird trotzdem sehr, sehr erfolgreich sein.

Resümee:

Nach dem Miznon schickt Starkoch Eyal Shani nun auch sein „eleganteres“ Szenelokal-Konzept nach Wien. Wird genauso brummen.


Seven North 7., Schottenfeldg. 74, Tel. 01/376 10 70, So–Do 12–1 Uhr, Fr–Sa 12–3 Uhr, www.sevennorthrestaurant.com

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