Zeit am Schirm

TV-Kolumne


EVA KONZETT

Medien, FALTER 24/19 vom 12.06.2019

Die Wahrheit ist den Menschen nicht überall zumutbar. Jeder spricht über die neue HBO-Serie Chernobyl. Nur den Russen gefällt sie nicht. Deshalb bringen sie ihre eigene Version des Reaktorunglücks von 1986 auf die Leinwand. Mit neuem Plot: Der russische TV-Sender NTV stellt nicht nach HBO-Vorbild einen Chemiker in den Mittelpunkt, sondern einen CIA-Spion. Dieser Agent soll beim Unglück anwesend gewesen sein. Aha!

Als vor vielen Jahren Sitcoms wie How I met your Mother oder The Big Bang Theory die Menschen vor den Schirmen bannten, übernahmen russische Produzenten die Drehbücher ebenfalls und spielten sie fast ein zu eins ein: Nur manch ein Merkmal der Charaktere wurde abgeändert: Wo im Original ein Mann auf andere Männer stand, schaute sein russisches Pendant heternormativ den Frauen nach. Wo ein Protagonist Migrationshintergrund hatte, wurde aus ihm ein Biorusse. Bei den Sitcoms mit Lachmaschine feilte die gleichgeschaltete russische TV-Landschaft die Diversität aus den Plots heraus. Beim Chernobyl-Remake versucht man, eine neue Geschichte zu erzählen.

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FALTER 30/19
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