Härte mit Ablaufdatum

Die Vollspaltenhaltung für Schweine ist unter Beschuss. Nun befürwortet sogar der Rewe-Konzern ein Verbot


Gerlinde Pölsler

Landleben, FALTER 25/19 vom 19.06.2019


Foto: Rupert Oberhäuser / Caro / picturedesk.com

Pölfing-Brunn in der Weststeiermark, vergangenen Sonntag. Das Thermometer zeigt 32 Grad. Karl Michelitsch schaltet die Schweinedusche für seine Zuchtsauen und Ferkel ein: „Das lieben sie.“ Die Schweine des Biobauern und ÖVP-Bürgermeisters können ins Freie gehen, Heu rupfen und sich auf eingestreuten Boden legen. Zustände, von denen der Großteil ihrer heimischen Artgenossen nur träumen kann. Dabei sah auch Michelitschs Hof einmal ganz anders aus: Auch hier standen die Schweine einst auf harten Vollspaltenböden ohne Einstreu, immer wieder bissen einzelne Tiere einander blutig. Michelitsch will nie mehr dorthin zurück.

Vollspaltenböden sind der Standard in der österreichischen Schweinehaltung, doch dieser gerät zunehmend unter Beschuss: Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) ist in den letzten Wochen mit einer „Bildergalerie des Grauens“ durchs Land gezogen. Am Donnerstag hat die Liste Jetzt im Parlament einen Antrag eingebracht, wonach Ställe mit ausschließlich Spaltenböden verboten werden sollen. Er bekam zwar keine Mehrheit, doch die Debatte ist eröffnet. In Schweden, der Schweiz, den Niederlanden und sogar in Dänemark, Europas größtem Produzenten von Schweinefleisch, sind Vollspaltenböden bereits verboten. Die konventionellen Schweinehalter sind alarmiert. Gegenüber dem Falter spricht sich nun auch der Rewe-Konzern (Billa, Merkur, Adeg, Penny) für ein Verbot aus. Aber wie schlimm ist diese Form der Schweinehaltung wirklich? Und was sind die Alternativen?

Beim Vollspaltensystem besteht der gesamte Stall aus einem Boden mit Spalten, meist aus Beton. Der Harn rinnt durch die Ritzen, den Kot drücken die Tiere beim Gehen nach unten durch. Einstreu ist kaum möglich, sie würde die Schlitze verstopfen. Die Schweine müssen auf dem Betonboden schlafen, fressen, gehen und koten, sie verbringen also ihr gesamtes Leben über ihren Ausscheidungen. Dabei würden sie Liege- und Kotbereich streng voneinander trennen, ist doch der Geruchssinn dieser hochintelligenten Tiere empfindlicher als der von Hunden. Diese Trennung ist aber durch die Enge nicht möglich: Bloß 0,7 Quadratmeter stehen einem Schwein bis zu 110 Kilo zu.

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