60 Jahre Fernsehen. Der ORF und seine falschen Freunde

Der ORF wurde erst 1967 gegründet – gegen parteipolitischen Einfluss. Jetzt droht er sich und uns wieder einmal abhandenzukommen


ARMIN THURNHER
MEDIEN | aus FALTER 36/15 vom 01.09.2015

Illustration: Jochen Schievink

Illustration: Jochen Schievink

Gerd Bacher ist tot. Dem ORF geht es auch schon schlecht. Langsam, wie in Zeitlupe, entgleitet er seit Jahrzehnten sich, seiner Idee und uns, seinen – ja, was nun? Seine Eigentümer sind wir nicht, seine Stakeholder sind wir auch nicht; wir sind sein Publikum. Als Stiftung ist er sich selbst verpflichtet. Aber der Stiftungsrat, jenes Gremium, das diese Selbstverpflichtung im Interesse der Öffentlichkeit überwachen und überprüfen soll, ist von den politischen Parteien dominiert und ihnen verpflichtet. Die Stakeholder des ORF sind also die politischen Parteien und die handelnden Personen in leitenden Positionen in Management und Redaktion.

Sollte jemand je an der politischen Kontrolle über den ORF Zweifel gehabt haben, konnte ihn zuletzt eine der ersten Taten des neuen steirischen Landeshauptmanns Hermann Schützenhöfer (ÖVP) überzeugen. Er wechselt den noch bis 2018 bestellten roten Stiftungsrat Alois Sundl, einen Versicherungsdirektor, gegen den schwarzen Politikwissenschaftler Klaus Poier aus. Auch die jüngsten Personalien im Rundfunk, wo gegen den Willen von Redakteuren ein schwarzer Abteilungsleiter installiert wurde (ein roter Chefredakteur war ein paar Monate vorher gegangen), zeigen: Rot-schwarz richtet es sich im ORF, wo es nur kann. Und wie die erzwungene rot-schwarze Doppelspitze Alexander Wrabetz (Generaldirektor, SPÖ) und Richard Grasl (Finanzchef, von der ÖVP 2010 als Gegenleistung für deren Zustimmung zur Gebührenrefundierung in die ORF-Führung gepresst) zeigt, kann es fast alles.

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