Achtung, Kahlschlag!

Das großflächige Waldsterben betrifft auch die Region, die den Wald im Namen trägt: Gibt es im Waldviertel bald keinen Wald mehr?

VERENA RANDOLF | LANDLEBEN | aus FALTER 45/18 vom 06.11.2018

Foto: Christian Wind

Der kleine Hügel im Saßwald trägt eine Altherrenfrisur: Die Kuppel ist kahl, mit vereinzelten Stoppeln und an den Rändern drängen sich dicht, aber traurig die Überbleibsel von dem, was bis vor kurzem noch dunkler Wald war. Wenn Herr Peter hier mit seiner Mischlingshündin aus dem Fichtendickicht auf die neue Lichtung tritt, denkt er nicht „Stoppelglatze“. Tag um Tag schaut er sich um, kommt ins Kopfschütteln und denkt: „Katastrophe!“

40 Prozent der Fläche Niederösterreichs sind Wald. 767.000 Hektar, auf denen zur Hälfte Nadelbäume – zu einem großen Teil Fichten – stehen. Oder besser: standen oder bald gestanden sein werden. Der Wald, so wie wir ihn kennen, kämpft um sein Überleben. Und seine Chancen stehen nicht gut: Der Anstieg der Durchschnittstemperatur, Dürre, Starkregen sowie der Rückgang an Frosttagen bedingen als Auswirkungen des Klimawandels europaweit großflächiges Waldsterben. Auch im Waldviertel.

Die Spuren der Harvester, die hier vor wenigen Wochen Fichte um Fichte fixiert, gefällt und entastet haben – einer so schnell wie zehn Forstarbeiter –, erinnern als tiefe Furchen im harten, trockenen Waldboden daran, dass nicht mehr viel wächst, wenn der 20-Tonnen-Holzvollernter sich erst seinen Weg in den Wald gegraben hat. An den letzten verbliebenen Baum, der neben der Kapelle am Floriani-Bründl im Saßwald in die Höhe ragt, haben Kinder zum Indianerspielen Äste gelehnt – ein einsames Tipi.

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