Advent, Advent, mehr als ein Lichtlein brennt

Nicht nur Städte, auch Hausbesitzer investieren in Weihnachts-beleuchtung. Warum eigentlich?


BARBARA TóTH
LANDLEBEN | aus FALTER 49/18 vom 04.12.2018

Foto: Shutterstock

Meine Frau hat gesagt, eine Lichterkette wäre nett. So wie im Film ,Schöne Bescherung‘“, erzählt Herbert Tirok, der jedes Jahr den niederösterreichischen Rekord in Sachen Weihnachtsbeleuchtung bricht. Letztes Jahr waren es 101.750 LED-Lamperln und acht Kilometer Kabel, die Tirok, gelernter Tischler und bei den Österreichischen Bundesbahnen im Verschub tätig, in seinem Einfamilienhaus in der Flurgasse 18 in Wagram in der Nähe von Grafenegg im Bezirk Krems verlegt hat. Heuer kommt der 48-Jährige schon auf 151.190 Lichter, über zehn Kilometer Kabel und 738 Steckdosen. Tirok hat schon im September begonnen, die meterhohen Schneesterne und Schneeflocken mit je 5000 Lichtern zu formen, die dieses Jahr neu zu seinem Lichterl-Rummelplatz dazugekommen sind. Dazu gibt es diesmal eine Gruppe aus selbst gebastelten Minions mit Weihnachtsmützen.

Begonnen hat alles 1991, als die Familie Tirok ihr Eigenheim baute. „Schöne Bescherung“, die amerikanische Weihnachtskomödie, die Frau Tirok inspirierte, kam 1990 als Videokassette in den Handel und entwickelte sich schnell zum Weihnachtsfilm-Klassiker. Im Film sind es noch 25.000 italienische Glühbirnen, die das Haus einer US-Durchschnitts-Chaotenfamilie erleuchten und das lokale Atomkraftwerk dazu zwingen, einen zweiten Reaktor hochzufahren. Tiroks 151.190 LED-Lichter verbrauchen etwa ein Zehntel so viel Energie wie ebenso viele Glühbirnen. Trotzdem brauchen die Österreicher mittlerweile alleine für die Illuminierung ihrer Giebel, Terrassen und Bäume im Garten so viel Strom wie 80.000 Haushalte. Das ist so viel Strom wie Städte wie Spittal an der Drau, Korneuburg, Sankt Johann im Pongau, Liezen, Weiz oder Dornbirn oder der Wiener Bezirk Brigittenau konsumieren. Im Jahr.

Es muss schon tiefsitzende Gefühle und Sehnsüchte berühren, wenn Menschen weder Kosten noch Mühen scheuen, um ihr privates Reich im Winter mit blinkenden und glitzernden Lichtergirlanden aus Baumärkten, vom Diskonter oder aus dem Internet, meist aus Asien, in Szene zu setzen.

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