Alle schreiben „Meister!“

Sturm gewinnt die Bundesliga. Droht nun, wie nach den Titeln von 1998 und 1999, ein Niedergang?

HERWIG HöLLER
STEIERMARK, STADTLEBEN, FALTER 22/11 vom 31.05.2011

Hannes Kartnig schwelgt in Erinnerungen: Vier Millionen Schilling habe er damals, bei Sturms erstem Meistertitel 1998, für die Feier ausgegeben, erhöhte Eintrittspreise hätten dies finanziert: „Die Fans haben es gerne bezahlt!“ Sorgen bereiten ihm nunmehr die Feierlichkeiten für den Titel 2011: „Da muss man Menschen haben, die musisch begabt sind. Die haben sie (die aktuelle Vereinsleitung, Anm.) jetzt aber nicht.“ 1998 hatte sich die Meisterfeier etwa durch drei Tonnen Konfetti ausgezeichnet, die in der Herrengasse auf die Sturm-Mannschaft regneten.

Wir schreiben den 25. Mai, bis zum entscheidenden Match von SK Sturm und FC Wacker Innsbruck sind es noch wenige Stunden. Doch das Grazer Straflandesgericht beschäftigt sich schon den 23. Verhandlungstag mit Sturms Vergangenheit. Die Frage des Tages im Prozess gegen Hannes Kartnig und Co: Hat der SK Puntigamer Sturm Graz die Bundesliga und den steirischen Fußballverband betrogen? Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hat der damalige Sturmpräsident Kartnig in großem Stil Eintrittskarten schwarz verkaufen lassen und daher weniger als vereinbart an Bundesliga und Landesverband abgeführt. Kartnig selbst will mit dem Betrug rein gar nichts zu tun haben.

Sie liegen nahe aneinander – die Erinnerung an die fragwürdigen, nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch kriminellen Machenschaften im Traditionsverein und der sensationelle Erfolg in der aktuellen Saison. Zum dritten Mal in seiner 102-jährigen Geschichte gewann Sturm den österreichischen Meistertitel – eine auch medial geschürte Begeisterung kannte keine Grenzen. Zwangsläufig stellte die feucht-fröhliche Meisterfeier am Grazer Hauptplatz die kürzlichen Politgroßdemonstrationen deutlichst in den Schatten.

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