Aufstieg und Fall des Christian K.

Er trat an, um Land und SPÖ zu reformieren. Nun zittert Christian Kern um den zweiten Platz. Viele, die er anfangs begeisterte, fragen sich: Kann man ihn immer noch wählen? Wie konnte es so weit kommen? Und wie viel Schuld trägt er selbst? Eine Rekonstruktion

BARBARA TóTH, FLORIAN KLENK | POLITIK | aus FALTER 41/17 vom 10.10.2017

Foto: Christopher Glanzl

Christian Kern kämpft jetzt also. Er sagt, dass man ihn nun kennenlernen werde. Dass er in der Politik bleiben werde. Die nächsten neun Jahre. Die Frage ist bloß: in welcher Funktion? Im Kanzleramt wird Kern vermutlich nicht mehr residieren, zumindest prophezeien das die Meinungsforscher. Sein Platz wird in der Löwelstraße sein, wo die in ihren Grundfesten erschütterte SPÖ ihre Parteizentrale hat.

Im Puls-4-Studio am Sonntag, beim Aufeinandertreffen des SPÖ-Chefs mit ÖVP-Chef Sebastian Kurz, zeigte Kern seine aggressive Seite. Er unterbrach, er konterte, manchmal feixte er auch. Was er von Kurz hält, sah das Publikum gleich am Anfang, bei der vom Privatsender erfundenen gegenseitigen Geschenksübergabe. Kurz schenkte Kern ein Buch, das der Vielleser natürlich schon hat – wie er auch gleich anmerkte.

Kern schenkte Kurz ein Candlelight-Dinner „für Sie und Ihre Frau“. Kurz ist nicht verheiratet, das weiß Kern, der vierfache Familienvater und einmal Geschiedene. „Die Rechnungen schicken sie mir dann“, schiebt er noch nach. So spricht ein CEO zu seinem Abteilungsleiter, der sich aus seiner Sicht gerade einen Bonus verdient hat, aber noch viel zu lernen hat im echten Leben. Das hatte etwas Ehrliches, aber auch Herablassendes.

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