Back in the USSR

Warum ein Radiosender aus dem Kalten Krieg in Rumänien wieder auf Sendung geht. Und was das über den Zustand des Landes aussagt


EVA KONZETT

MEDIEN, FALTER 07/19 vom 12.02.2019

Foto: Archiv

Die Rückkehr dieses Nachrichtensenders ist eine Niederlage für Rumänien. Und für die EU. Als Radioprogramm hatte sich Radio Free Europe kurz nach dem EU-Beitritt aus dem Land verabschiedet, als multimedialer Internetauftritt geht er nun wieder auf Sendung. Vorgesehen war das nicht. Und kommt doch nicht überraschend. Zu viel liegt in dem jungen EU-Staat Rumänien im Argen.

Für die Rumänen vor der Wende 1989 war Radio Free Europe der Brückenkopf in den Westen gewesen. Hinaus aus ihrem Land, das Nicolae Ceauşescu und seine Schergen eisern führten. Schon vor Ceauşescus Machtübernahme 1965 hatte der amerikanische Kongress Ende der 1940er-Jahre Radio Free Europe für die Menschen jenseits des Eisernen Vorhangs initiiert, denen die jeweilige Staatspropaganda nur eine zensurierte Suppe vorsetzte. Über Kurzwelle und in der jeweiligen Landessprache wurden sodann Sendungen in die Länder des Warschauer Pakts geschickt. Die Programme liefen in Rumänien, in der damaligen Tschechoslowakei, in Polen, Bulgarien und Ungarn. Noch heute operiert der Sender in 22 Ländern und erreicht nach eigenen Angaben wöchentlich rund 34 Millionen Menschen, von Serbien bis nach Kasachstan und in den Iran. Das Budget beträgt 123 Millionen Dollar.

Radio Free Europe sei der Sauerstoff gewesen, der sie im Kommunismus habe überleben lassen, sagte der rumänische Staatspräsident Klaus Iohannis im Jänner in Bukarest. Die Hoffnung, dass der Kommunismus nicht ewig währen und die Anbindung an „Europa“ noch einmal glücken könnte. Ein „Vorposten des demokratischen Geistes“, wie es der rumänische Historiker Vladimir Tişmaneanu ausdrückt. Und wäre für Rumänien in den vergangenen Jahren alles nach Plan gelaufen, man hätte den Sender in Schulbüchern und Museen historisch werden lassen.

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