Bewegungsfreiheit

Die Staatsopern-Tragödie erinnert an eine Gruppe von Tänzerinnen, die einst gegen Ballettdrill und Körperzwang revoltierte und die Kunst veränderte


MATTHIAS DUSINI

FEUILLETON, FALTER 17/19 vom 23.04.2019

Ohne Tutu und Spitzenschuhe: Schülerinnen in der Tanzschule Hellerau-Laxenburg, 1929
(Foto: KHM – Museumsverband)

Die Kräfte der Reaktion formieren sich. Als Antwort auf die im Falter erhobenen Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper melden sich die Anhänger einer autoritären, auf Befehl und Gehorsam beruhenden Tanzausbildung zu Wort. In der Puls4-Diskussion „Pro & Contra“ entschuldigte die Ballerina und „Dancing Stars“-Jurorin Karina Sarkissova die harten Trainingsmethoden damit, dass das Ballett halt gegen die Natur des menschlichen Körpers sei.

Auch die Beschuldigten selbst zeigen sich uneinsichtig. Die russische Choreografin und Lehrerin der Ballettakademie Bella Rachinskaia, die Kinder misshandelt haben soll, gab dem Giornale della danza ein Interview. Darin äußert sie sich empört über die Vorhaltungen und vermutet eine politische Intrige: „Man will meinen Posten.“ Der renommierten Tänzerin soll immer wieder die Hand ausgekommen sein. „Die Hände eines Lehrers sind die Hände einer Bildhauers, sie dienen nur dazu, die richtige Bewegung zu unterrichten“, erklärt Ratchinskaia.

Sarkissova und Rachinskaia vermitteln hier ein Bild von Ballett, das mit einer zeitgemäßen Auffassung von Tanz nichts zu tun hat. Sie hängen einem feudalen Körperideal an, das den Menschen zum Automaten degradiert.

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