Böses Blut

Verhaftungen, Geständnisse, Tränen. Lange blieb das Thema Doping unbeachtet. Jetzt erschüttert es den Spitzensport. Die Chronologie eines Staatsversagens.

CHRISTOPH HESHMATPOUR, DANIEL NUTZ, GERD MILLMANN, JOHANN SKOCEK, JOSEPH GEPP | STADTLEBEN | aus FALTER 15/09 vom 07.04.2009

Da sitzt er nun und redet. Er hebt eine Augenbraue, skeptisch, fast schüchtern, er duckt sich weg vor blendenden Blitzlichtern. Das ist nicht mehr die Öffentlichkeit, die er kannte, damals, nach seinem Sieg. Er wurde verehrt und verdammt, er war ein Held und Betrüger, er hat gejubelt und geweint. Nur geredet hat er nie.

Bernhard Kohl, 27, ein junger Mann aus Wolkersdorf im Weinviertel, Rauchfangkehrerlehrling, Radprofi. Vergangenes Jahr fuhr er als Dritter der Tour de France den größten Erfolg der österreichischen Radsportgeschichte ein. Drei Monate später gestand er, von positiven Kontrollen in die Enge getrieben, seinen Dopingmissbrauch. Er weinte dabei. Titel und Ruhm waren so plötzlich verschwunden, wie sie gekommen waren. Bernhard Kohl ist zur Chiffre geworden, zum Anlass und Symbol dafür, dass bei Doping in Österreich etwas in Bewegung geraten ist.

Vorvergangenen Dienstagabend gibt er erneut eine Pressekonferenz. Diesmal geht es um Hintermänner und dopende Sportlerkollegen. Namen zu nennen hat Kohl stets verweigert und dadurch das Interesse am Thema Doping erst recht angeheizt.

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