Das Ende der Bananenrepublik

Schärfere Gesetze, starke Behörden, Druck aus Europa und eine neue Generation bissiger Ermittler: Warum die Republik endlich mit Wirtschaftsverbrechen, Seilschaften und Freunderlwirtschaft aufräumt


FLORIAN KLENK

POLITIK | aus FALTER 15/09 vom 07.04.2009

Ein dunkler Gang, quietschende Aktenwagen und ein Amtsdiener, der mit „Mahlzeit“ grüßt. Im vierten Stock des Straflandesgerichts residiert die Staatsanwaltschaft Wien. Man würde hier, wo verschwiegene Ankläger immer wieder politische Fälle wegadministrierten, vieles vermuten – nur keine Front im Kampf gegen die Mächtigen.

Wer die Türe des Zimmer 4069 öffnet, der wird in diesem Vorurteil verstört. Da sitzt, zwischen einem Berg von Akten, Kartons und Büchern, ein Staatsanwalt namens Gerhard Jarosch und rotiert zwischen seinen Telefonen. Er hebt ab, er legt auf, es klingelt, er hebt ab, er legt auf, es klingelt. Hunderte Journalisten rufen ihn dieser Tage an, sie wollen informiert werden über die Ermittlungen gegen mutmaßlich kriminelle Lobbyisten, Banker, Sportler, Polizisten und Baulöwen. Kurz setzt sich Jarosch auf sein weißes Sofa, er zündet sich eine Zigarette an, dreht sie zwischen den Fingern und sagt stolz: „Wir erleben eine Zeitenwende.“

Jarosch, 41 Jahre, rosa Krawatte, blaues Hemd, in der Ecke des Büros ein Körbchen für seinen Hund, ist der Sprecher der Anklagebehörde. Eine seiner Aufgaben ist es, die Ermittlungen der Kollegen den Medien zu vermitteln. Vergangene Woche hatte Jarosch alle Hände voll zu tun. Im Stundentakt wurden Säulenheilige des Landes ins Graue Haus eingeliefert – oder gegen Gelöbnis und Kaution entlassen. Jarosch sagt: „Ich spüre ein kleines Beben. Es verändert sich was in diesem Land.“

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