Das Geheimnis der Wüste

Bis zu 22 Millionen Euro hat das Land für Spielberg bereits ausgegeben, von einem Rennzirkus ist aber weit und breit nichts zu sehen. Einen Monat, nachdem das Land den Umweltbescheid für Didi Mateschitz feierlich freigab, hat dieser ihn noch nicht abgeholt. Warum, das ist eines von vier gut gehüteten Aichfelder Geheimnissen.

| STEIERMARK, STADTLEBEN | aus FALTER 35/08 vom 26.08.2008

Einladung zur Gedenkfeier – Totengedenken“ beginnt der anonyme Brief, der bei Karl Arbesser, Anrainer des A1-Rings in Spielberg und Sprecher der Projektgegner, am 7. März dieses Jah­res im Postkasten liegt: „Bitte kommt alle zum Millionengrab am A1 Ring in Spielberg. Wir haben lange gekämpft, haben weder Kosten noch Mühen ge­scheut um dieses Millionengrab zu er­reichen. Feiern wir gemeinsam die To­tenmesse“, heißt es in der erfundenen „Einladung“. Der fiktive Absender: Karl Arbesser. Unter den angeblich Mitzelebrierenden: ein namentlich genannter „Verhindererpfarrer“, ein „Aschkricher“ und weitere Kritiker. Es ist die 26. Briefserie, die Arbesser und zwanzig Mitstreitern seit dem Jahr 2004 die Nerven zermürbt. Wobei andere Schreiben sogar Morddrohungen gegen die Projektkritiker und deren Kinder enthielten (Falter 12/07). „Eure Häuser liegen so schön neben dem Wald. Ideal für einen Scharfschützen“, hieß es ein­mal. Auch kündigte der Unbekannte an, Lebensmittel und Brunnenwasser zu vergiften.

An diesem 7. März steigt stärker als sonst die Wut in Arbesser auf. Obwohl er den zuständigen Kripo-Beamten at­testiert, engagiert nach dem Bedroher zu fahnden, beschließt er, selbst auf die Pirsch zu gehen. Er engagiert zwei De­tektive, die in den folgenden Wochen versuchen, DNA-Spuren von möglichen Verdächtigen zu ergattern. Bei einem besonders Beargwöhnten stellt sich das als gar nicht einfach heraus, so Ar­besser, „denn die Person geht nicht viel außer Haus“. Wochenlang sammeln die Privatfahnder Haare, Trinkbecher und Zigarettenstummel. Schließlich fällt Ar­besser ein Bierglas in die Hände – und tatsächlich: Die DNA darauf stimmt mit der auf den Briefen überein. Als die Polizei den 51-jährigen M. (Name der Redaktion bekannt) mit den Beweisen konfrontiert, gesteht er sofort.

Dieser Tage pilgert er zu allen, denen er jahrelang Angst eingejagt hat, und entschuldigt sich. „Ich bin schon über­all gewesen“, grummelt er. „Eine große Dummheit“ sei das Ganze gewesen. Sonst mag er sich nicht äußern.

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