„Das ist Palmers völlig unwürdig“

Mark Glassner fotografierte 1997 das legendäre, elegante Strümpfeplakat für Palmers. Was denkt er über das daran angelehnte, letzte Woche von Palmers veröffentlichte, heftig umstrittene „Osterhöschen“-Sujet?


BARBARA TóTH

MEDIEN, FALTER 17/17 vom 25.04.2017

Sechs Frauen auf einem alten Teppich in einer verlassenen Villa, nackt bis auf bunte Spitzenpanties: Mit diesem Foto warb der Unterwäschekonzern Palmers letzte Woche auf Facebook für seine „Osterhöschen“. Die Aufregung war groß. Die Mädchen seien zu jung, das Setting erinnere an Frauenhandel. Schon einmal machte Palmers mit einem Foto, das Frauen fast nackt am Boden liegend zeigte, Schlagzeilen. Das Plakat, das 1997 für Strümpfe warb, wurde zum Klassiker. Was unterscheidet gute von schlechter Unterwäschewerbung? Wie fotografiert man fast nackte Frauen feministisch korrekt? Der Falter traf den Fotografen Mark Glassner, der das legendäre Strümpfeplakat damals fotografierte.

Falter: Herr Glassner, das „Osterhöschen“-Bild haben viele als Zitat Ihres berühmten Strumpfplakates aus dem Jahr 1997 für Palmers interpretiert. Aber ist es das?

Mark Glassner: Ich erachte es nicht wirklich als Zitat, sondern eher – fotografisch gesehen – als Unfall. Ich denke, hinter der aktuellen Kampagne steht vermutlich der Versuch, zu sparen oder möglichst kosteneffektiv zu sein. Eine abgefuckte, kaputte Location stellt markenstrategisch einen groben Kontrast zur bisherigen Linie dar, weil Palmers eigentlich bisher immer für Qualität und ein gehobenes Preissegment stand. Viele der Posen der in den Filialen veröffentlichten Plakate scheinen von Tableaux vivants, wie zum Beispiel jenen der Performancekünstlerin Vanessa Beecroft, inspiriert zu sein. Und dann gibt es noch dieses eine Facebook-Posting mit den „Osterhöschen“, da – so stelle ich mir das zumindest vor – hat jemand dann beim Shooting gesagt: Wir haben doch diese Höschen, machen wir noch schnell ein Sujet für die sozialen Medien. Legts euch hin, so wie damals. Aber das ist, wie gesagt, nur eine Vermutung.

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