Das Leben der Hühner

Ein Grillhendl um 3,39 Euro das Kilo. Wie kann das gehen? Eine Recherche in der Welt der Besatzdichten, Schlachtlinien, Betäubungsbäder und Rupfmaschinen


GERLINDE PöLSLER

POLITIK, FALTER 32/14 vom 05.08.2014

Foto: Benedikt Narodoslawsky

Foto: Benedikt Narodoslawsky

Es ist Grillsaison, gerade gehen Geflügelgrillteller und Hühnerspieße besonders gut. Die Supermarktkette Lidl hat „Hühner-Schenkel“, tiefgekühlt, um zwei Euro das Kilo im Angebot. Woher die Ware kommt, steht nicht im Prospekt. Der Penny-Markt offeriert „Henderl bratfertig“ um 3,39 das Kilo, mit AMA-Gütesiegel. Auch bei Billa, Spar und Merkur sind die Preise im Keller, obwohl sie nur heimisches Huhn verkaufen. Billa führt „Hendl bratfertig“ um 4,99 pro Kilo, sogar mit „Pro Planet“-Label, das den Hühnern unter anderem mehr Platz zugesteht als üblich.

Die Österreicher nagen wie alle Europäer von Jahr zu Jahr immer öfter an Hendlhaxen und Chicken Wings. Waren es im Jahr 1994 noch 6,2 Kilo Hühnerfleisch pro Nase, sind es jetzt schon 8,4. Hühnerfleisch gilt als gesund, weil fettarm – und es ist billig. Für ein Kilo Brot zahlt man oft mehr, für den Energy-Drink Red Bull werden anstandslos 3,40 Euro pro Liter hingelegt – obwohl dafür kein Tier sein Leben gelassen hat.

Da stellt sich die Frage: Wie ist das möglich?

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