Der Aktivist der Herzen

Der Schweizer Theatermacher Milo Rau, einer der herausragenden Künstler der Gegenwart, kommt mit einem Stück über Krieg nach Wien. Wer ist der Kunstextremist, der gerne Grenzen verletzt?


MATTHIAS DUSINI

FEUILLETON, FALTER 23/19 vom 04.06.2019

Foto: Jörg Carstensen / dpa / picturedesk.com

Das Parfum wurde Leila zum Verhängnis. Ein IS-Kämpfer kam in ihre Schulklasse, um nach einer Frau zu suchen. Der Duft zog ihn an. Ein mehrjähriges Martyrium begann: Zwangsheirat, zweifache Schwangerschaft, Todesangst. Die Tragödie wäre im Strudel der Zeit verschwunden, wenn sie der Theatermacher Milo Rau nicht eingefangen hätte. Leilas Geschichte gehört zu den Stimmen aus der Hölle, die Rau in „Orest in Mossul“ auf die Bühne bringt.

Der Autor, Filmemacher und Regisseur Milo Rau, 42, gehört zu den interessantesten Künstlern der Gegenwart. „Orest in Mossul“, das nach der Uraufführung am Nationaltheater Gent (NTGent) auch bei den Wiener Festwochen zu sehen ist, verlagert einen antiken Tragödienstoff in die kriegszerstörte Millionenstadt am Tigris. Gemeinsam mit dem Genter Ensemble und Schauspielschülern aus Mossul entwickelte Rau im vergangenen Winter ein Stück zum Thema Rache.

In der antiken Vorlage, der Trilogie
„Orestie“ des griechischen Dichters Aischylos (525–456 v. Chr.), opfert ein Vater im Krieg seine Tochter. Die Gattin ermordet den Ehemann, ehe der Sohn Orest seinen Vater rächt. Vor dem Hintergrund endlosen Blutvergießens stellte Aischylos die Frage: Wer verzichtet auf Sühne, um Versöhnung zu ermöglichen?

  2205 Wörter       11 Minuten
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:
Alle Feuilleton-Artikel finden Sie in unserem Archiv.

Anzeige

Anzeige