Der Bankraub vom Yppenmarkt

Zwischen den Schanigärten am Yppenplatz hatte immer auch eine Gruppe Obdachloser ihren Stammtisch. Der Tisch wurde nun demontiert. Mit ihm auch ein Stück Wiener Sozialpolitik?

BIRGIT WITTSTOCK, JOSEF REDL | STADTLEBEN | aus FALTER 28/17 vom 11.07.2017

Andrea Jäger von der Sucht- und Drogenkoordination und Elisabeth Odelga-Öcker, Leiterin von SAM, versuchen den öffentlichen Raum für alle besser zu machen (Foto: Heribert Corn)

Thomas Frechberger hat Lokalverbot. Im Café Club International und in anderen Beisln am Yppenplatz. Frechberger, Jahrgang 1962, sitzt im Schatten einer Linde auf einem der sternförmigen Sitzsteine, die der Bezirk hier aufgestellt hat, und blickt in die Ferne. Rundherum sind die Schanigärten der Lokale brechend voll. Frechberger nimmt einen Schluck aus der Bierdose, schlägt die Beine übereinander und legt das Kinn in seine Hand. So sitzt er immer da, wenn er nachdenkt. Nach einer Weile sagt er: „Jetzt haben sie mich und meine Künstlerkollegen auf diese Betonklötze verbannt.“

Thomas Frechberger ist Dichter. Und Thomas Frechberger ist obdachlos. In den letzten Jahren konnte er gut beobachten, wie die Gastgärten der umliegenden Lokale immer größer wurden, die Sitzreihen immer näher an seinen Stammplatz rückten. Bis vor zwei Wochen standen hier noch zwei Tische mit Bänken. Einer davon war Frechbergers täglicher Aufenthaltsort, den er mit anderen Obdachlosen teilte.

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