Der hässliche Schein

Mafiöse Baufirmen kosten den Staat Millionen Euro. In Graz stehen nun die Hintermänner vor Gericht

DONJA NOORMOFIDI | STEIERMARK, POLITIK | aus FALTER 49/08 vom 02.12.2008

Am 13. März 2007 klopfte die Polizei um fünf Uhr früh an eine Wohnungstür im Grazer Bezirk Eggenberg. Memsud O. wurde aus dem Schlaf gerissen, kurze Zeit darauf klickten die Handschellen. Nur fünf Minuten später standen auch bei Esat R. Polizeibeamte vor der Tür. Die beiden Verhaftungen waren Teil der bisher größten Polizeiaktion gegen die organisierte Baumafia. Alleine in der Steiermark durchsuchten einhundert Beamte 24 Wohnungen und Häuser, in Wien und der Steiermark wurden 18 Personen verhaftet.

Vergangene Woche eröffnete Richter Günter Sprinzel am Grazer Straflandesgericht die Hauptverhandlung gegen Memsud O., Esat R. und drei weitere Angeklagte in der Causa Avalin-Bau* GmbH. Die fünf sitzen mit gesenkten Köpfen auf der Anklagebank, wie Mafiosi sehen sie nicht aus, in den Augen der geschädigten Einrichtungen sind sie die typische „ic-Partie“: Drei der Angeklagten stammen aus Bosnien, einer aus Serbien. Drei Namen enden auf „-ic“, daher die interne Bezeichnung. Den Angeklagten wird vorgeworfen, zwei Millionen Euro an Sozialabgaben und Steuern unterschlagen zu haben. „Bekennen Sie sich schuldig?“, fragt der Richter. Die drei Hauptangeklagten bekennen sich „teilweise schuldig“ oder „schuldig“.

In dem Prozess geht es um groß angelegten Sozialbetrug in der Baubranche – in Österreich kein Einzelfall. Herbert Erkenger, zuständiger Ermittler beim Landeskriminalamt, arbeitet derzeit an sechs weiteren Baumafia-Fällen. Das Schema ist immer dasselbe: Eine Person, meist aus dem ehemaligen Jugoslawien, gründet eine Scheinfirma und stellt Arbeiter an, die regulär arbeiten und bezahlt werden und teils über die Machenschaften der Firma Bescheid wissen. Nicht bezahlt werden allerdings die Beiträge an Sozialversicherungsträger und Bauarbeiter-Urlaubs- und Abfertigungskasse (BUAK). Dieses Geld wandert in die Taschen der Drahtzieher. Bei manchen dieser Scheinfirmen werden Hunderte Arbeiter angemeldet, der Schaden bei GKK und BUAK geht in die Millionenhöhe.

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