Der Jubel kam zu früh

Die Jubelfeiern anlässlich des Kriegsendes in Europa im Mai 1945 verdrängen eine wichtige historische Wahrheit: Es gab kein Happy End, es gab nicht einmal ein "Ende" im klassischen Sinne. Im Gegenteil, es gab eine Menge offener Rechnungen

KEITH LOWE | POLITIK | aus FALTER 18/15 vom 28.04.2015

Foto: Nederlands Fotomuseum

Am 8. Mai feiert Österreich am Wiener Heldenplatz das „Fest der Freude“. Es ist nur eine der vielen Feierlichkeiten, in denen wir weltweit des Endes des Zweiten Weltkrieges gedenken. Der Mythos besagt, dass vor 70 Jahren das Böse besiegt und unsere Gesellschaft aus Schutt und Asche wiederauferstanden ist.

Die Konzerte, Festreden und Feuerwerke werden uns unweigerlich an die historischen Bilder des Mai 1945 erinnern: Die Fotos von damals zeigen tanzende Menschen auf den Straßen von London, Paris und auch Wien, wo ab Ende April 1945 täglich eine russische Militärkapelle am Rathausplatz Strauß spielte. In Moskau explodierten derweil Feuerwerke über dem Kreml und in New York küssten Matrosen die Krankenschwestern am Times Square.

Das Kriegsende, so suggerieren diese Bilder, muss eine unfassbare Erleichterung für Soldaten und Zivilbevölkerung gewesen sein. Auch in Österreich sehnten sich so viele danach, die Vergangenheit zu vergessen, um mit einer unschuldigen „Stunde null“ neu beginnen zu können.

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