Der Sämann

Wie der Vorarlberger Bauer Simon Vetter die Landwirtschaft ein bisschen neu erfindet


EVA KONZETT
LANDLEBEN | aus FALTER 06/19 vom 05.02.2019

Foto: Eva Konzett

Die Kühe stören sich nicht an dem Arbeiterlied. Sie liegen geruhsam auf ihrem Strohbett, ein paar Heuhalme zwischen den kräftigen Zähnen. Spärlich verbreitet die Neonlampe Licht, und einsam harren die Fahrräder, nur von drüben, vom Wohntrakt, dringt Leben herüber, dort wo der Bauer Simon Vetter ein paar Freunde und Bekannte zum Singen eingeladen hat. Für die Tiere hat der Tag ein Ende gefunden, für die Menschen beginnt der Abend erst.

Wein, Bier und Gulasch dienen der Stärkung, die Instrumente der musikalischen Unterstützung, die rund 30 Gäste bilden den improvisierten Chor. 230 Seiten umfasst das selbstgebasteltete Liederbuch. Johnny Cash und Rainhard Fendrich haben die Musikanten an diesem Abend schon durch, später wird man in Richtung Schlager und Blues abgleiten. Doch erst noch werden auf Zuruf Vetters die „Arbeiter von Wien“ angestimmt.

„Wir sind der Sämann, die Saat und das Feld“, donnert lauthals die Runde. Simon Vetter hat sich ein Bier geholt und klopft den Takt fröhlich mit den Fingern mit. Ein Mann mit dichten roten Haaren, Bart und Filzkäppi auf dem Kopf, der „nöd“ sagt und „gsin“, wenn er „nicht“ und „gewesen“ meint, der seinen Lustenauer Ursprung hier am westlichen Ende des Landes nicht verbergen kann und will. In wenigen Kilometern beginnt die Schweiz, die nur das breite Rheinflussbett von Österreich trennt. Im Vorarlberger Rheintal lebt die Familie Vetter seit 300 Jahren und immer von der Landwirtschaft. Es ist nicht nur das mitunter sozialistische Liedgut, das den Vetterhof von den anderen Betriebe seiner Art unterscheidet.

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