Der schwierigste Patient der Stadt

Seit 25 Jahren wird am Wiener Krankenanstaltenverbund herumgedoktert. Woran leidet der KAV eigentlich?


BIRGIT WITTSTOCK

POLITIK, FALTER 13/17 vom 28.03.2017

Foto: Katharina Gossow

Da ist eine Baustelle, die nicht und nicht fertig wird, das Krankenhaus Nord. Da ist einer der größten Arbeitgeber des Landes Wien, der Krankenanstaltenverbund (KAV), der sie betreibt und nicht nur deswegen in der Kritik steht. Da ist eine Entlassung, jene von Udo Janßen, bislang Chef des KAV. Da ist die rote Gesundheitsstadträtin Sandra Frauenberger, neu im Amt, die letzte Woche als eine ihrer ersten Taten Janßen entließ. Da ist der Rechnungshof, der dem KAV kein gutes Zeugnis ausstellt. Da sind die Ärzte, die streiken. Und dann sind da noch die Patienten, um deren Gesundheit es bei alldem schließlich geht.

Das Vertrauen sei verlorengegangen, sagte Stadträtin Sandra Frauenberger, als sie vergangene Woche den Rausschmiss Janßens bekanntgab. Bis Ende Mai soll nun ausgetüftelt werden, wie es mit dem KAV weitergeht. Der Chefposten wird neu ausgeschrieben, der städtische Spitalskonzern soll neu organisiert werden. Wieder einmal.

Der KAV und das Vertrauen – das war schon immer eine schwierige Angelegenheit. Der Wiener Krankenanstaltenverbund wurde 1992 im Zuge der Wiener Spitalsreform als Zusammenschluss der städtischen Spitäler und Pflegeheime gegründet. Es entstand eines der größten Spitalsunternehmen Europas. Seit seiner Gründung steht der KAV laufend in der Kritik. Man warf ihm Personalkürzungen aufgrund von Sparmaßnahmen vor, überfüllte Ambulanzen und lange Wartezeiten, buchhalterische Schlampereien, Bau- und Pflegeskandale, unsaubere Liegenschaftsverkäufe, mangelhaft ausgestattete Spitäler, Gangbetten, überdurchschnittlich hohe Vorstandsgehälter, streikende Ärzte. Die Liste der Vorwürfe ist nicht nur lang, die meisten von ihnen sind so alt wie der KAV selbst. Der eben verabschiedete Udo Janßen ist bereits der vierte General, dessen Auftrag es war, das Schlachtschiff in Magistratsbauweise mit seinen rund 30.000 Angestellten und einem Jahresbudget von 3,7 Milliarden Euro in Richtung patientenorientiertes und wirtschaftlich erfolgreiches Dienstleistungsunternehmen zu manövrieren. Janßen ist an einer der größten Baustelle Wiens, und definitiv der größten des KAV, gescheitert: dem Neubau des Krankenhauses Nord. So lautet jedenfalls die offizielle Version.

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