Der Überlebenskampf

Die Regierung will die Pflichtveröffentlichungen in der Wiener Zeitung abschaffen. Ist Österreichs älteste Zeitung damit dem Tod geweiht?


ANNA GOLDENBERG
MEDIEN | aus FALTER 02/18 vom 09.01.2018

Foto: Kurt Molzer / picturedesk.com

In Neu Marx, auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofes, stehen zwischen alten Backsteinhäusern und neuen Baustellen mehrere moderne Bürogebäude. Die Redaktion der Wiener Zeitung im dritten Stock eines solchen Hauses ist kein hektisches Großraumbüro, in dem alles wuselt und schreit, zumindest an diesem Donnerstagvormittag nicht. Es ist ruhig.

Das alles passt zu der Publikation, die gerne als älteste noch existierende Tageszeitung der Welt bezeichnet wird, wobei der Titel ein bisschen umstritten ist. Erstens gab es seit 1703 eine fünfjährige Erscheinungspause, und zwar in der NS-Zeit, und zweitens behauptet eine Zeitung im italienischen Mantua, noch ein wenig älter zu sein. Fakt ist, die Wiener Zeitung gibt es länger als alle anderen österreichischen Zeitungen, und dieses Erbe ist gleichzeitig Vorteil und Last.

Die neuere Geschichte der Wiener Zeitung ist die Geschichte von Digitalisierung und Durchwurschteln, von Qualitätsjournalismus und Proporz, von Innovation und Nostalgie. Es ist leicht, etwas über die Vergangenheit der Wiener Zeitung zu erfahren, und schwierig, etwas über ihre Zukunft herauszufinden. Das liegt daran, dass Letztere einige Ungewissheiten birgt. Gleich dreimal findet sich in dem im Dezember vorgelegten Programm der türkis-blauen Regierung die Phrase, dass die Pflichtveröffentlichungen in der Wiener Zeitung abgeschafft werden sollen. Diese Veröffentlichungen, die hauptsächlich aus dem Firmenbuch stammen und gemeinsam mit staatlichen Ausschreibungen den „Amtsblatt“-Teil der Zeitung füllen, bestreiten mehr als drei Viertel des 20-Millionen-Euro-Umsatzes der Tageszeitung. Bedeutet das das Aus für die Qualitätszeitung?

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