„Deutsche Heilgrüße“ nach „Deutsch-Österreich“

Er posierte vor Nazi-Deutschland und schickte „Heilgrüße“: Neue Dokumente aus der Neonazi-Zeit von Heinz-Christian Strache


NINA HORACZEK

POLITIK, FALTER 23/19 vom 04.06.2019

Foto: Privat

Ich war nie ein Neonazi“, hatte der kürzlich zurückgetretene FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache erst im Dezember wieder erklärt. Eine dem Falter vorliegende Postkarte sowie ein Foto belegen aber, dass Strache viel länger als bisher bekannt aktives Mitglied der Neonaziszene war.

Im November 1990 schickt „Heinrich der Glückliche“ eine Postkarte zum Andenken an den Nazi-Ritterkreuzträger Robert Colli nach Wien. „Heinrich der Glückliche“ ist der Verbindungsname, den Strache in seiner Burschenschaft Vandalia trägt. Nazi-Oberst Colli „hat seine Pflicht getan“, ist auf der Karte zu lesen. Die Postkarte stammt von der rechtsradikalen Burschenschaft Olympia, der Colli angehörte.

Unterzeichnet hat Strache mit „Deutschen Heilgrüßen“ und „Heil Deutschland“, adressiert wurde sie nach „Deutsch-Österreich“, eindeutige Neonazi-Codes. Damals war Strache bereits 21 Jahre alt und seit über einem Jahr FPÖ-Funktionär in Wien. Insgesamt war er zumindest fünf Jahre lang in der heimischen Neonaziszene aktiv.

Ein weiteres Foto zeigt den jungen Strache bei einer Burschenschaftsmensur. An der Wand hinter ihm hängt eine Karte von Nazi-Deutschland in den Grenzen von 1939. Der Falter bat Strache, der überlegt, ins EU-Parlament zu gehen, um Stellungnahme, erhielt aber keine Antwort. F

„Deutsche Heilgrüße“ des späteren FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache und ein Jugendfoto mit Nazi-Deutschland dahinter

Nachtrag: Heinz-Christian Strache hat einen Tag nach FALTER-Redaktionsschluss doch noch per SMS eine Stellungnahme abgegeben. Die Postkarte und das Foto hätten “nichts mit NS, sondern mit der Deutschen Burschenschaft zu tun!”, schreibt er.

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