Dichands neuer Volksadvokat

Er gibt Zweifel und Ängsten ein fesches Gesicht. Rechtsanwalt Tassilo Wallentin ist der neue Star-Kolumnist der Kronen Zeitung. Wie kam es dazu?


BARBARA TóTH

MEDIEN, FALTER 42/14 vom 14.10.2014

Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Gäbe es Tassilo Wallentin nicht, die Kronen Zeitung müsste ihn erfinden. Er ist ihr perfektes Geschöpf. Bei Österreichs größtem Boulevardblatt konnte man sich ja nie sicher sein, ob Kolumnisten tatsächlich existieren. Es gab Innenpolitik-Redakteure, die das gesetzlich vorgeschriebene Pensionsalter längst überschritten hatten, aber trotzdem noch unter schneidigen Porträtfotos aus ihrer späten Adoleszens kommentierten. Der verstorbene Gründer des Blattes, Hans Dichand, versteckte sich gerne hinter Pseudonymen wie „Cato“ oder „Von besonderer Seite“. Der Kolumnist Richard Nimmerrichter hetzte jahrzehntelang als „Staberl“ gegen alles, was nach offener Gesellschaft roch.

Nein, Tassilo Wallentin ist echt und schaut sogar so aus wie auf dem Foto, das seine Kolumnen in der beliebten Wochenendbeilage Krone bunt schmückt. Der 41-jährige Anwalt mit den kantigen Gesichtszügen ist ein fescher Kerl mit perfekten Umgangsformen. Er wirkt höflich und korrekt. Ganz anders als seine Texte.

Man muss sie Texte nennen, denn der promovierte Jurist nimmt es nicht so ernst mit der Trennung von Meinung und Bericht, von Ansichten und Fakten. Er vermischt beides zu einem mit Fremdwörtern und Zitaten angereicherten Konglomerat, an dessen Ende meistens das Gefühl bleibt, dass Österreich ein Stück Souveränität weggenommen wird, Politiker unfähig sind oder wir Steuerzahler weiter belastet werden sollen. Ressentiment-Journalismus auf hohem Niveau könnte man das nennen. Hier schimpft nicht der Stammtisch, sondern Wiens Döblinger Regiment.

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