Die Achtundsechziger, innen

Die Achtundsechziger und die Frauen: Erstere wollten die Gesellschaft revolutionieren. Zweitere schafften das tatsächlich


SIBYLLE HAMANN
FEUILLETON | aus FALTER 20/18 vom 15.05.2018

Foto: Manuel Bidermanas / akg-images / picturedesk.com

Eigentlich lief gerade alles prächtig in diesem tollen Jahr. Man konnte auf der Straße den Mund aufreißen und alles, was einen nervte, ganz laut hinausschreien. Man gestikulierte ausgreifend, hörte sich selbst gern zu, andere lauschten andächtig. Man spürte sich. Rundherum waren viele Gleichgesinnte. Man marschierte gemeinsam, skandierte Parolen, spürte die anderen Leiber ganz nah. Kein Kragenknopf störte, die engen Schuhe hatte man ausgezogen, die Haare, ungeschnitten, wehten im Wind. Man fühlte sich widerständig. Von der Geschichte ermächtigt. Im Recht. Denn man war Teil von etwas Großem, einer weltumspannenden Bewegung, die antrat, die Fesseln der Unterdrückung zu sprengen.

Den Feind konnte man genau benennen: das kapitalistische Ausbeutungssystem, der Imperialismus der Amerikaner in Vietnam, die Polizei, die autoritären Uni-Professoren, die verstockten Nazi-Väter, der erdrückende, kleinbürgerliche Mief der Herkunftsfamilien, die man hinter sich gelassen hatte. Auch die Verbündeten beschwor man häufig: die Proletarier aller Länder, je weiter weg das Land, desto besser. Man trank, man kiffte, man saß am liebsten auf dem Boden und mit ein bisschen Glück würde es nach der Demo auch noch Sex in der Wohngemeinschaft geben. Womöglich mit einer, die so prachtvolle Brüste und Beine hatte wie Uschi Obermaier.

Es war alles so gut für die Achtundsechziger. Doch dann trat eine Frau ans Rednerpult und verdarb den Männern den Spaß. Wie das halt leider so oft passiert.

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