Die Angst vor der Idylle

Götz Spielmann stand lange im Schatten von Haneke und Seidl. Mit seinem neuen Film „Revanche“ könnte sich das ändern. Porträt eines Filmemachers, der lange nach seiner Form gesucht hat.

MAYA MCKECHNEAY | FEUILLETON | aus FALTER 20/08 vom 13.05.2008

Gleich um die Ecke habe er die ersten Theaterstücke geschrieben und auch den ersten Film gedreht, erzählt Götz Spielmann im Café Stein. In den 70er-Jahren, als Schüler am Gymnasium Wasagasse. „Es geht nicht, Steiner“, habe der dreiviertelstündige Spielfilm geheißen, den man ihn als 16-jährigen „Schuldichter“ schreiben und inszenieren ließ, Thema war ein Schülerselbstmord. „Der Film lief dann sogar im Fernsehen, und ich war einen Tag lang berühmt.“

Spielmann lacht und raucht eine selbstgedrehte Zigarette. Heute ist er 47, und sein zwölfter Spielfilm „Revanche“ erhält international anerkennende Kritiken und Preise. Später am Tag wird der Regisseur eine Schulsondervorstellung besuchen und mit 16-Jährigen über „Revanche“ diskutieren – so gesehen schließt sich im neunten Bezirk ein kleiner Kreis.

Götz Spielmann ist ein Filmemacher, dessen Werk in der in- und ausländischen Wahrnehmung immer ein wenig im Windschatten der zwei großen Gesellschaftskritiker des österreichischen Kinos – Michael Haneke und Ulrich Seidl – geblieben ist. Das mag an vielen Dingen liegen, etwa daran, dass sich seine Vision und stilistische Handschrift über die Jahre gewandelt haben. Und nicht zuletzt auch daran, dass er ein nachlässiger Selbstvermarkter ist. Einige frühe Filme sind kaum noch verfügbar, weder auf Video noch auf Film – vielleicht, so drückt sich Spielmann einmal aus, kugelt von diesem oder jenem noch irgendwo eine Kopie herum. Sobald er mit einem Projekt fertig ist, drängt es ihn immer schon zum nächsten.

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