Die Auferstehung des gestrandeten Wals

Hinter dem Franz-Josefs-Bahnhof in Wien-Alsergrund soll ein Hochpark mit Hochhäusern entstehen. Die Anrainer sind gespalten, die Stadt duckt sich weg. Das Projekt könnte früher als geplant zu einem Heumarkt 2 werden

WOJCIECH CZAJA | STADTLEBEN | aus FALTER 13/17 vom 28.03.2017

Illustration: Wojciech Czaja

So eine Frechheit! Das ist hier wie Pjöngjang, mit dem einzigen Unterschied, dass man nicht erschossen wird“, sagt ein erboster Anrainer, der am 16. März an einer vom Bezirk Alsergrund und von der 6B47 Real Estate Investors AG geladenen Informationsveranstaltung teilnimmt. 250 Anrainer sind an diesem Abend gekommen, es geht um die Zukunft des Franz-Josefs-Bahnhofs, genau genommen um das ganze Areal rund um den Julius-Tandler-Platz, der von den Investoren „Althans-Quartier“ getauft wurde. Kaum ist das Wort „Hochhaus“ gefallen, geht ein Murren durch den Saal, und die bis dahin angenehme Stimmung droht mit einem Schlag zu kippen.

Richtig schlimm wird es, als Eva Blimlinger, Rektorin der Universität der Bildenden Künste und selbst Anrainerin am Alsergrund, eine Diskussion starten möchte und um ein Mikrofon bittet. Dazu kommt es nicht. Die Projektpräsentation ist zu Ende. Buhrufe gehen durch den Saal.

„Wo auch immer eine große, bedeutsame Stadtentwicklung gemacht wird, ohne dass diese von einer öffentlichen Diskussion begleitet und mitgetragen wird, gibt es ein Gsturi“, sagt Eva Blimlinger im Gespräch mit dem Falter. „Die Menschen haben Wünsche und Ängste und wollen, dass diese gehört und wahrgenommen werden. Daher kann ich es nicht nachvollziehen, dass man die Bezirksbewohner zu einer Veranstaltung einlädt, ohne ihnen die Möglichkeit zu geben, mitzudiskutieren. Im Jahr 2017 kommen wir nicht mehr drumherum, die Leute einzubinden. Ansonsten haben wir am Ende Heumarkt zwei.“

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