Die Kunst des Balancierens

Ismael Ivo, Mitgründer des Festivals Impulstanz, prägt auch das brasilianische Kulturleben. Wie geht der schwarze Choreograf mit der neuen, rassistischen Regierung um? Ein Besuch

ASTRID KAMINSKI
FEUILLETON, FALTER 28/19 vom 09.07.2019

Foto: Christopher Mavrič

Ich hatte kein Geld, um Künstler zu werden“, erinnert sich Ismael Ivo, 64. Der Choreograf sitzt in seinem aufgeräumten Büro im Zentrum seiner Geburtsstadt São Paulo, in der Fensternische steht ein Buddha. „Tanzen war nicht einmal ein Traum.“ Aufgewachsen „ohne Privilegien“ in einer armen Gegend im Zentrum als Sohn einer Putzfrau, fand Ivo trotzdem seinen Weg. Mit Straßenkunst im damals angesagten Ausgehviertel Bela Vista fing es in den 1970er-Jahren an. Ganz offiziell, mit Genehmigung der Polizei.

Später zog Ivo nach New York und tanzte in Alvin Aileys afroamerikanischer Ballettcompagnie. Weiter ging es nach Wien, wo er 1984 gemeinsam mit dem Kulturmanager Karl Regensburger das Festival Impulstanz gründete. Und nach vielen weiteren Stationen, etwa an der Seite von Johann Kresnik und George Tabori, nach Venedig, wo der Choreograf acht Jahre lang Kurator der Biennale Danza war und die ersten Goldenen Löwen für Tanz vergab.

Seit zweieinhalb Jahren ist der Globetrotter zurück in seiner Geburtsstadt und leitet das Balé da Cidade de São Paulo, eine der zwei großen Tanzcompagnien der 20-Millionen-Metropole. Ivo ist einer der ersten Afrobrasilianer, die einer renommierten brasilianischen Kulturinstitution vorstehen. Der Proben- und Verwaltungstrakt des Balé liegt einige Meter von der Bühne des Stadttheaters entfernt und ist in der verschachtelten Sichtbetonarchitektur der sogenannten Kunststadt untergebracht.

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