Die Staatsopern-Tragödie. Ein Blick in die Abgründe der staatlichen Ballettakademie


FLORIAN KLENK

09.04.2019

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 19. Februar erreichte den FALTER eine E-Mail einer prominenten Diplomatin. Sie berichtete uns von einer befreundeten Ballettlehrerin, die nicht mehr länger schweigen wollte. An der Ballettakademie der Wiener Staatsoper würden Kinder psychisch gebrochen, es käme zu Misshandlungen, Beschimpfungen, sogar ein sexueller Übergriff sei zu beklagen.

Das waren schwere Vorwürfe und der FALTER versuchte, sie in den letzten sechs Wochen in stundenlangen Gesprächen mit Betroffenen zu verifizieren. Heute steht fest: hinter den Kulissen der Ballettakademie der Staatsoper, jener Institution die auch Elevinnen und Eleven für den Opernball und für das Neujahrskonzert ausbildet, sind erschreckende Missstände zu beklagen.

Lehrerinnen haben Schülerinnen verletzt, viele Schülerinnen rutschten nach aggressivem „Bodyshaming“ in die Magersucht. Ein Lehrer soll vor einem Schüler sogar onaniert haben.

Diese Missstände schildern nicht nur ehemalige Eleven und Elevinnen, sondern einige Tanzlehrerinnen.

Wir haben versucht, die grausamen Methoden penibel zu dokumentieren. Wir haben vor zwei Wochen auch Staatsoperndirektor Dominique Meyer und sein Team konfrontiert und wir haben dabei festgestellt, dass die Oper während des Rechercheprozesses auf Transparenz setzt und den FALTER ehrlich bei der Aufklärung unterstützt.

Meyer stellte eine Lehrerin und einen Lehrer bereits außer Dienst und verspricht eine grundlegende Reform und penible Aufklärung. Er sagt: „Wir wollen das nicht“. Eine Sachverhaltsdarstellung an die Justiz wird derzeit ausgearbeitet.

Lesen Sie im aktuellen FALTER nicht nur die erschreckende Reportage über die Missstände an der Staatsoper, sondern hören Sie sich auch das Gespräch mit Betroffenen und ihren Lehrerinnen an. Heute streamen wir eine Kurzfassung dieser Diskussionsrunde, morgen eine etwa einstündige Sendung im FALTER RADIO Podcast.

Und noch eine Bitte: um solche großen Recherchen zu finanzieren, brauchen wir Abonnentinnen und Abonnenten. Sie können unter abo.falter.at unseren Journalismus unterstützen.

Danke,
Ihr Florian Klenk

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