Die Teenstar-Leaks

Der Verein Teenstar bietet in ganz Österreich Aufklärungskurse an Pflichtschulen an. Interne Schulungsunterlagen zeigen erstmals, dass Fundamentalchristen am Werk sind


BARBARA TóTH

STADTLEBEN, FALTER 47/18 vom 20.11.2018

Illustration: Bianca Tschaikner

Der Verein Teenstar nimmt seine Aufgabe grundsätzlich sehr, sehr ernst. Wer sich für ein halbes Jahr einmal im Monat samstags als Teenstar-Kursleiter ausbilden lässt, muss zwei schwere Ordner voller kleinbeschriebener Blätter durchackern. Minutiös lernen die angehenden Sexualberater dabei, wie sie Kontakt zu Lehrern und Mittelschulen knüpfen, wie sie Werbung für ihre Aufklärungskurse machen, wie sie einen Elternabend organisieren und wie sie schließlich ihre Seminare vor Teenagern abhalten. Angehende Teenstar-Kursleiterinnen lernen aber auch, dass der Verein selbst keinen Wert darauf legt, seine Ausbildungsprinzipien offenzulegen. Die Kurspapiere „dürfen nicht weitergegeben werden“, auf „irgendein elektronisches Medium übertragen“ und nur im Beisein von Teenstar-Oberen eingesehen werden. Nach außen dürfen nur die „offiziellen Teenstar-Werbematerialien“ verwendet werden. All das müsse so sein, um „Missverständnissen vorzubeugen“, heißt es in den Unterlagen.

Aus gutem Grund. Denn das unverfängliche Bild, das der Aufklärungsverein nach außen vermittelt, unterscheidet sich doch deutlich von den Inhalten und Ansichten aus den internen Schulungsunterlagen. Modern, lässig und frech sind die Folder und die Teenstar-Homepage gestaltet. Man muss schon genau hinschauen, um zu sehen, dass die Organisation nicht irgendein Sexualaufklärungsprojekt ist, sondern eine international vernetzte, ultrakonservative, christlich-fundamentalistische Organisation. In Deutschland, der Schweiz und Südtirol ist sie besonders aktiv. In Österreich wird sie auch vom Institut für Ehe und Familie empfohlen, das eine Einrichtung der Österreichischen Bischofskonferenz ist.

Die Ausbildungsmaterialen – die dem Falter vorliegen – zeigen aber sehr bedenkliche Inhalte. Da wird Homosexualität etwa als „Schicksal“ dargestellt, das Hilfe von „gutem Fachpersonal“ brauche. Statt Teenagern sichere und einfache Verhütungsmethoden wie Kondom und Pille nahezulegen, wird Mädchen, die schon die Regel haben, die natürliche „Empfängnisregelung“ eingebläut, sie lernen, Menstruationstabellen zu führen und ihren Cervixschleim zu analysieren. Sex, oder, wie es in den Unterlagen meistens heißt, die „geschlechtliche Vereinigung“, gehört natürlich in die Ehe, Masturbation ist Ausdruck von Ichbezogenheit und schädlich für einen vollen sogenannten „Liebestank“. Damit ist die Fähigkeit zu lieben gemeint. Vielfältige Familienformen, Patchwork, Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind für Teenstar kein Thema, dafür wird die Verschiedenheit von Frau und Mann gepredigt. Mit Uraltrollenklischees vom Mann als handelndem, denkendem Teil und der Frau als sorgendem, emotionalem Part.

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