Die unbestimmte Rückkehr der Wiener Grätzelkönige

Vor einem Jahr wollte Bürgermeister Michael Ludwig mit Supergreißlern die Stadt verändern. Warum wurde daraus nichts?


EVA KONZETT

STADTLEBEN, FALTER 10/19 vom 05.03.2019

Aus dem Bilderbuch der Nahversorgung und nostalgisch verzerrt: ein Greißler in seinem Geschäft 1960 (Foto: Klinsky, Fritz / ÖNB-Bildarchiv / picturedesk.com)

Die gute alte Zeit ist von der Wand gefallen. Die weiße Farbe der letzten Lettern blättert von der Betonfassade in der Alliogasse in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. Außer „Milch“ ist nichts mehr zu lesen vom Greißler: Und nichts ist geblieben außer der mit Graffiti verunstaltete rostige Rollbalken. Auch die allermeisten seiner Kollegen haben es auch nicht geschafft. Der Greißler, das ist die Kindheitserinnerung, das ist das Gefühl von urbaner Geborgenheit, eine Auszeit von der Anonymität der Großstadt. Die immer gleiche Frau, die einem Jausenbrote in die Schultasche packt. Vor allem ist der Greißler eines: nicht mehr Teil des Wiener Stadtinventars.

Das soll sich alles ändern. Zumindest, wenn es nach der Stadt Wien geht. Oder ging: Im März 2018 stellte der damals frisch gekürte Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nach einer zweitägigen „Zukunftsklausur“ drei Projekte für Wien vor – quasi sein Grundsatzprogramm für die Stadt. Eines der Projekte: der Supergreißler. Ein neuer Ankerpunkt in den zusehends leergeräumten Straßenzügen. Eine Begegnungszone für die Anwohner. Man wolle das Projekt schnellstmöglich umsetzen, hieß es damals. Das hatte politisch insofern Sinn, als die beiden anderen Vorschläge, eine Mehrzweckhalle und eine Donaubühne, mit entsprechenden Vorlaufzeiten erst in ein paar Jahren bei der Wählerschaft ankommen werden. Mit dem Supergreißler aber, einem Nahversorger, angereichert mit zusätzlichen Dienstleistungen wie einem Paketservice und möglichen Sozialeinrichtungen, sollte sofort gestartet werden.

Nur folgte dann: nichts.

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