Eierspeise

Was singt man in der Osterwoche in der bundesdeutschen Tiefebene? „ Klingelingeling, hier kommt der Eiermann“, jenen besonders simplen Hit der Schlagergesangsformation Klaus & Klaus, welcher nur in platten Gegenden erfunden werden konnte. Doch Obacht, eigentlich ist so ausufernde Lebensfreude in der Karwoche verboten. Denn in christlichen Landen galten bis in die 1960er-Jahre die Tage zwischen Palm- und Ostersonntag als „geschlossene Zeit“, in der man sich öffentlicher Festlichkeiten und Vergnügungen zu enthalten hatte. Heutzutage ist nur mehr der Karfreitag ein gesetzlich geschützter „stiller Tag“, an dem „neuheidnische Feiern (…) nicht stattfinden können“. Sagt wer? Die Münchner Stadtverwaltung verbot vor zwei Jahren einen „lustvollen Karfreitagstanz“, der vom Bund für Geistesfreiheit in einem Münchner Theater angekündigt worden war. Man berief sich dabei auf das Bayerische Feiertagsgesetz aus 1980, um diesen „ bewussten Tabu- und Rechtsbruch“ zu verhindern. Kein Wunder, wenn zunehmend viele Leute diese Tage lieber im Ausland verbringen wollen.


PETER IWANIEWICZ

FALTERS ZOO | aus FALTER 15/09 vom 08.04.2009

In der Münchner Tram (ja, heißt dort offiziell so) hörte ich ein Gespräch über die Bedeutung des beliebten Nachnamens Meier mit, den angeblich jene Personen im Ort trugen, die die gräflichen Abgaben in Form von Eiern einsammelten. Der amtliche Eierbär sozusagen. Dennoch falsch, aber als Volksetymologie mit einem Körnchen Wahrheit: Der Name leitet sich vom lateinischen major oder maius ab und sollte so eine größere, bedeutendere Person bezeichnen, die als örtlicher Verwaltungsbeamter den Zehent für den Landherren eintrieb. Als sich das Herrschaftssystem änderte, verloren die Leibeigenen ihre Höfe und zogen in die Städte, wo alle neuen Landlosen einfach Meier genannt wurden. Deswegen ist dieser Name in all seinen Schreibweisen nach Müller auf Platz zwei der häufigsten deutschen Nachnamen.

Und hier kommt die superduper „Was gibt es Neues?“-Osterfrage: Was ist das Meier-Loch? Aus Sicht der Genealogie und Nachnamensforschung gibt es einen weißen Fleck bei der statistischen Verteilung des Namens Meier in Mitteldeutschland. Grund für dieses Loch ist, dass dort diese Hofverwalter den Namen Hofmann trugen. Damit habe ich gerade auf einen 300-Euro-Büchergutschein verzichtet und somit auch keinen Grund zu unchristlicher Freude oder gar neuheidnischen Tänzen.

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FALTER 17/19
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