Ein Wilhelminenberg ungeklärter Fragen

Der Heimkinder-Skandal: Medien und politische Glücksritter enthüllen ohne Rücksicht auf die Opfer

JOSEPH GEPP, NINA HORACZEK
POLITIK, FALTER 43/11 vom 25.10.2011

Heute checken hier Touristen ein, Wiener treffen sich zum Brunch mit Blick über die Stadt und Frischvermählte feiern Hochzeit. Nur eine unauffällige Gedenktafel erinnert daran, dass hier bis zum Jahr 1977 ein Kinderheim war. „Wer Kindern Paläste baut“, steht darauf, „reißt Kerkermauern nieder“.

Glaubt man den Aussagen zweier ehemaliger Insassinnen, die vor eineinhalb Wochen ihr Schweigen brachen, war das Schloss Wilhelminenberg weniger Palast denn Kerker. Die beiden Frauen berichteten im Kurier und im ORF, wie sie im Alter von sechs beziehungsweise acht Jahren von Erziehern der Stadt Wien misshandelt und sexuell missbraucht worden waren.

Richtiggehend verkauft sollen die Kinder worden sein. Fremde Männer seien in die Schlafsäle gekommen, um sie in Serie zu vergewaltigen. Julia K. und Eva L., heute 47 und 49 Jahre alt, erzählten von Schlägen, von jahrelangen Demütigungen. Wöchentlich habe die Rettung misshandelte Kinder abgeholt. Die Erzieher hätten sie auch psychisch gefoltert, hätten ihnen Filmaufnahmen aus Konzentrationslagern vorgespielt und ihnen gesagt, dorthin würden sie auch gehören, sie hätten kein Recht auf Leben. Selbst an Todesopfer wollen sich manche der damals Gequälten erinnern.

  1730 Wörter       9 Minuten
Bestellen Sie hier ein FALTER-Abo Ihrer Wahl inklusive Online-Zugang, um diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext zu lesen.
Holen Sie sich hier Ihren Online-Zugang und lesen Sie diesen sowie alle anderen FALTER-Artikel sofort im Volltext.

Lesen Sie diesen Artikel in voller Länge mit Ihrem FALTER-Abo-Onlinezugang.

Passwort vergessen?
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Anzeige

Anzeige