Elvis lebt!

Long distance information, give me Memphis Tennessee Help me find the party, trying to get in touch with me The Animals


PETER IWANIEWICZ
FALTERS ZOO | aus FALTER 32/07 vom 08.08.2007

„Mhm, also ein Erdhäufchen als letztwöchige Story,“ durchbricht die befehlsgewohnte Stimme des Herrn Redakteurs die samtene Stille seiner geschmackvoll, aber auch teuer ausgestatteten Kommandozentrale, „während ich auf A-K-T-U-E-L-L-E Reisebeiträge mit lustigen Fakten und gut recherchierten Gags warte!“ Als ich mit tiefer Fünfachtelverbeugung rückwärts den War-Room verlasse, erinnert mich sein – zu Recht – nachgeworfener Ankus, ein Stab, mit dem der Mahut Elefanten lenkt, an meine Pflichten als freier Mitarbeiter.

Am 16. August jährt sich zum dreißigsten Mal der Todestag von Elvis Presley. Eine gute, geradezu aktuelle Gelegenheit, seine Heimatstadt Memphis im US-amerikanischen Dreistaateneck zwischen Tennessee, Mississippi und Arkansas zu besuchen. Bei Durchschnittstemperaturen von 28 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von achtzig Prozent ist ein Besuch in seinem legendären Anwesen Graceland Pflicht. Dort hielt der Tierliebhaber Elvis einen Privatzoo mit Enten, Hühnern, Hunden, Schimpansen, Meerschweinchen, Eseln und Pfauen. Als einer dieser Ziervögel auf sein sich in einem schwarzen 1960er-Rolls Royce spiegelndes Ebenbild hinpeckte und den Lack zerstörte, zeigte sich der King großzügig: Er ließ seinen Koch den Vogel nicht zu Pfauensteaks verarbeiten, sondern schenkte ihn dem Zoo in Memphis.
Jetzt wird das Haus von Eichhörnchen, Katzen und Waschbären entweiht, die die Parkanlage verwüsten. Was hätte Elvis getan? Jener Elvis, der sein „Don’t be cruel“ sicher auch für seine tierischen Freunde gesungen hat? Die Verwalter fanden eine kanadische Firma, die sich auf tierfreundliche Abschreckungsmaßnahmen spezialisiert hat. Mit gezielten Pressluftstößen verreibt man nun die pelzigen Eindringlinge, feine Metalldrähte verteilen an übereifrige Schnecken Stromschläge, und eine sensorgesteuerte „Vogelscheuche“ reagiert auf Bewegungen mit spritzpistolenartigen Wasserschüssen. Auch die Vogelnester am Haus dürfen nun bleiben. Durch einen installierten Sichtschutz wird auch weiterhin ein „gepflegter Eindruck“ des Anwesens vermittelt, teilte das Graceland-Management mit.
„Elvis has left the building“, war eine legendäre Durchsage nach seinen Konzerten. Er hat uns zwar ganz verlassen, aber auch jetzt achtet er noch darauf, dass sein Erbe erhalten bleibt.
Der Schluss war möglicherweise etwas kitschig, aber in puncto Aktualität kann mir keiner was!


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