Esche zu Staub

Ein Pilz hat zehntausende österreichische Eschen getötet. Wie Wiener Forscher versuchen, die Art zu retten

ANDREAS BACHMANN
LANDLEBEN, FALTER 22/18 vom 29.05.2018

Foto: Heribert Corn

Der Baum liegt schon in Ketten, als David Jandl zur Tat schreitet. Eine Esche, 25 Meter hoch, seit Jahrzehnten steht sie hier in den Paradiesgründen, dieser kleinen Ruheinsel am Fuße des Satzbergs im 14. Bezirk. Heute soll sie fallen und Förster Jandl muss sich darum kümmern. Denn der Baum ist krank: Das Falsche Weiße Stängelbecherchen hat von ihm Besitz ergriffen. Dieser kleine Pilz mit dem kitschigen Namen sorgt dafür, dass Blätter abfallen, Triebe und Äste absterben, die Wurzel verfault. Es gibt keine Rettung, der Baum muss weg. Jandls Mitarbeiter Gregor wirft die Kettensäge an. Mit der Ruhe ist es jetzt vorbei.

Ganz unten am Baumstamm sägt er von einer Seite einen Keil aus dem Baum. Holzspäne fliegen durch die Luft und ins Gebüsch. Sie riechen eigentlich nicht nach Tod, sondern frisch und lebendig. Nach einigen versierten Schnitten knackt es unten am Stamm und raschelt es oben in der Baumkrone. Die Esche, an der noch viel Grün hängt, bekommt Schlagseite. Sie kippt, erst ganz langsam, dann immer schneller. Das Getöse brechender Äste und splitternden Holzes wird lauter, bis der Baum krachend nur wenige Meter vor David Jandl zu Boden stürzt und dabei viele Sträucher und Bäumchen unter sich begräbt. Hinterher ist Stille. Auch die Vögel singen erst nach kurzer Pause weiter.

Auch Förster Jandl atmet einmal durch, er ringt mit den Worten. „Das ist eine Katastrophe! Eine schleichende Katastrophe“, sagt er. Seit acht Jahren ist er hier der Förster, seit 14 Jahren arbeitet er im Wald. „Ich habe Sturmschäden erlebt, Eisbrüche, Schneebrüche. Das war auch schlimm, aber überschaubar“, sagt der 34-Jährige. „Irgendwann waren halt alle Schäden abgearbeitet. Das hier scheint kein Ende zu nehmen.“ Seit drei Jahren läuft das nun so. Jeden Tag geht es in der Wiener Forstverwaltung MA 49 um Eschen. „Wir kommen praktisch zu nichts anderem mehr. Das Eschensterben verursacht fast unsere gesamten Baumpflegearbeiten“, sagt Jandl.

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