Eselei

Was haben die US-Demokraten und das weihnachtlich-christliche Krippenspiel gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick glauben würde, nämlich den Esel als Symbolfigur. Während die Kunstgeschichte den Esel als Vertreter der Ländlichkeit an die Krippe stellt, wird das Tier im Christentum zum Sinnbild der Heiden und der Ochse zum Stellvertreter der Juden. Der Jesus anbetende Esel wird so zum Zeichen des Siegs über die antiken Tiergötter und zugleich zum Inbegriff der Kreatur, die „demütig trägt, was wichtiger ist als sie selbst“.


PETER IWANIEWICZ
FALTERS ZOO | aus FALTER 49/08 vom 01.12.2008

Das wäre natürlich auch eine schöne Botschaft für eine politische Partei und noch dazu eine originelle Idee für ein Land, das seinerzeit in Erwägung zog, den Truthahn als nationales Wappentier zu verwenden. Dennoch stellt sich die Frage, welcher tiefere Sinn die Partei bewog, sich ein solches inoffizielles Wappentier zuzulegen, über das Wilhelm Busch schon reimte: „Der Esel ist ein dummes Tier, der Elefant kann nichts dafür.“ Während Truthühner aus tiergeografischer Sicht ganz typische Amerikaner sind, stammt der Wildesel aus Afrika und wurde erst später weltweit verbreitet. Dieser Bezug zur Herkunft großer Teile der nordamerikanischen Bevölkerung war aber nicht das Motiv der Wahl.

Als 1828 Andrew Jackson für die US-Präsidentschaft kandidierte, versuchten ihn die Republikaner für seinen populären Wahlspruch „Let the people rule“ als Esel (jackass) zu diffamieren. Jackson drehte den Spieß um und setzte den Esel auf seine Wahlplakate. Aber erst der deutsch-amerikanische Karikaturist Thomas Nast machte mit seinen politischen Cartoons den Esel als Symbol für die Demokraten weithin bekannt und führte auch den Elefanten als Sinnbild für die Republikaner ein.

Wie ambivalent die Eigenschaften des Esels sind, zeigt auch eine Fabel. Demnach wollte ein solcher Esel nicht zum Parlament der Tiere kommen. Der Löwe schickte Fuchs und Wolf, um ihn mit Gewalt holen zu lassen. Doch der Esel meinte, es gäbe ein Dokument, das ihn von dieser Untertänigkeit entbinde. Dieser Vertrag wäre auf der Unterseite seiner Hufen eingeritzt und die beiden Büttel könnten sich diesen gerne dort durchlesen. Was die beiden dann doch nicht taten und unverrichteter Dinge abzogen.

Da sich einige heimische Parteien in einer Phase der Neuorientierung befinden, schlage ich diesen vor, ihre Logos entsprechend zu überarbeiten. Vielleicht hilft ja in Zeiten wie diesen auch tierischer Ernst.

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FALTER 50/18

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