Ganz schön abgefahren

Hochriskante Spekulationen, dubiose Immobiliendeals und fürstliche Gehälter. Geheime Gutachten und Rechnungshofberichte zeigen, wieso Bahnchef Martin Huber wirklich ausrangiert wurde.

BARBARA TóTH, FLORIAN KLENK | POLITIK | aus FALTER 17/08 vom 22.04.2008

Franz Wanzenböck hatte es nicht immer einfach in seinem Leben. Mit Gelegenheitsjobs als Lagerarbeiter hielt er sich über Wasser. Aber er bildete sich weiter. Nach der Externistenmatura begann er im Alter von 38 Jahren ein Fachhochschulstudium in „Europäischer Wirtschafts- und Unternehmensführung“. Dann holte er sich an der Donau-Universität Krems gleich zwei Master-Titel: den „Master of Science“ (MSc Finance) und den „Master of Business Administration“ (MBA). Heute ist Wanzenböck in der Finanzabteilung der ÖBB tätig.

Wanzenböck ist keine große Nummer in den ÖBB. Nur wenige Eingeweihte kennen seinen Namen. Aber nachdem sein Bildungshunger ihn von der Werkshalle ins Corporate-Finance-Büro des Unternehmens brachte, wurde er Zeuge einer ungewöhnlichen Aktion. Wanzenböck war nämlich von Anfang an bei jener umstrittenen, hochriskanten Finanzspekulation dabei, die nun ÖBB-Finanzvorstand Erich Söllinger und den scheidenden ÖBB-Boss Martin Huber in schwere Bedrängnis bringt. Der oberste Eisenbahner hatte es ja gerne transparent. Zumindest in seinem Büro. Große Fenster und Möbel aus Glas beeindruckten dort die Besucher. Was seine Arbeitsweise anging, bevorzugte Huber einen eher undurchsichtigen Stil. Vergangenen Montag kam er seiner Abberufung durch den ÖBB-Aufsichtsrat mit seinem Rücktritt zuvor.
Die Liste der Vorwürfe gegen ihn ist lang. Es geht nicht nur um intransparente Finanztransaktionen, sondern auch um merkwürdige private und geschäftliche Immobiliendeals sowie um unverhältnismäßig hohe Gagen. Ständig legt der Rechnungshof vernichtende Expertisen über das „Unternehmen Bahn“ vor. Doch effektive Reformen blieben aus. Stattdessen wurden mit jedem Regierungswechsel Spitzenmanager mit der falschen Couleur ins millionenschwere Ausgedinge verschoben – mit Steuergeld und zum Teil fadenscheinigen Argumenten.
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